Österreich

Ästhetische Zahnheilkunde von A-Z – Erfolgskonzept für die moderne Praxis

image1Am Samstag, den 12. März, fand im International Center for Dental Education Wien der von Prof. Edelhoff aus München geleitete Kurs mit dem Focus auf praxisnahe, ästhetische Zahnmedizin statt. Ein Beitrag von Dr. Gregor Ley

Der Vortragende betonte gleich zu Beginn die Bedeutung der Lichtdynamik und die dadurch erschwerte Bestimmung der korrekten Zahnfarbe. Zahlreiche klinische Beispiele zeigten die Wechselwirkungen zwischen Zahn und Weichgewebe. Die Interaktion der Zähne mit der Umgebung und die dadurch veränderte Wahrnehmung der Zahnfarbe ließ sich bereits durch einfaches Abhalten der Lippe deutlich erkennen. Die Bestimmung der tatsächlichen und der letztendlich gewünschten Zahnfarbe stehen am Behandlungsbeginn ästhetischer Restaurationen. Bei keramischen Arbeiten sollte hier im Zweifel eher eine hellere Farbstufe gewählt werden – denn eine spätere Aufhellung von Restaurationen ist unmöglich, eine leicht Abdunklung durch Keramikfarben hingegen kann von einem Zahntechniker realisiert werden.

Bei der Materialauswahl spielen verschiedenste ästhetische und funktionelle Gesichtspunkte eine Rolle. So erscheinen metallkeramische Kronen meist nur bei indirekten Lichteinfall perfekt, bei direkter Sonneneinstrahlung sind oftmals Abdunklungen im Zahnfleisch durch die Metallränder zu erkennen. Metallkeramik kommt an vollkeramische Versorgungen im Hinblick auf die natürliche Anmutung nicht heran. Generell gilt bei der Auswahl des Restaurationsmaterials: eine hohe Opazität sollte gewählt werden, wenn man einen Abdeckungseffekt erreichen möchte. Dies ist beispielsweise bei stark verfärbten Stümpfen empfehlenswert – eine Aufhellung des Stumpfes ist zwar möglich, jedoch kann es zu einem Rezidiv kommen. Ist die Opazität der Krone oder des Veneers zu gering gewählt, wird der dunkler werdende Stumpf dann wieder durchscheinen. Je höher die Transluzenz des Materials gewählt wird, desto mehr optische Tiefe kann generiert werden und desto natürlicher erscheint die Restauration.

image5Mit mehreren, ausführlich bebilderten Patientenfälle zeigte Prof. Edelhoff eine simple und im Ergebnis ästhetisch perfekte Lösung. Vor der Versorgung verfärbter Stümpfe wurden diese mit sehr hellen und opaken Kompositmaterialien ummantelt, somit war der Zahntechniker völlig frei in der Gestaltung und konnte mit Transluzenz-Effekten arbeiten und beste Ergebnisse erzielen. Besonders Glaskeramiken können natürliche Zähne besonders realitätsnah imitieren, bei Zirkonium ist dies nach wie vor nur eingeschränkt möglich. Für implantatgetragene Kronen in der ästhetischen Zone empfiehlt der Referent zahnfarbene Abutments. Der Vorteil liegt auf der Hand, sollte es zu Rezessionen kommen ist das Erscheinungsbild kaum beeinträchtigt. Vollzirkonabutments ohne Titanbasis weisen hohe Fehlerraten auf – hier geht die Empfehlung klar in Richtung Hybdridabutments mit Titanbasis. Und auch bei der Befestigungsform von Implantatkronen lässt sich ein Trend hin zur Verschraubung erkennen. Zement-Überschüsse mit den daraus resultierenden Problemen lassen sich dadurch umgehen.

Nach einer Mittagspause lag der Schwerpunkt dann auf der ästhetischen Analyse und den Präparationsrichtlinien von Veneers.

Das Profilbild dient als Basis für die Erhebung der Mittellinie, der Bipupillarlinie und der Einteilung der Gesichtsdrittel. Eine tolle Ergänzung ist ein kurzes Video. Hierzu wird das Smartphone auf einem simplen Stativ befestigt und auf das Behandlungstray gestellt. Der Patient beantwortet einige kurze Fragen, idealerweise solche, die zum Lachen anregen. Dieses Video kann dann, beispielsweise nach einem Mock-Up, erneut gedreht und mit der Ausgangssituation verglichen werden. Sicherlich ein sehr effektives Hilfsmittel um sowohl dem Patienten als auch dem Zahnarzt eine Entscheidungshilfe zu geben.

Überhaupt ist die Einbindung des Patienten der Schlüssel zum Erfolg, gerade und besonders bei ästhetischen Korrekturen. „Let the patient create the restoration“ lautet somit auch der Leitspruch des Referenten. Die „Idee“ oder „Fantasie“ des Patienten sollte bereits in das Mock-Up bzw. Provisorium miteinfließen – dieses sollte dann über einen längeren Zeitraum Probe getragen werden um dem Patienten und seinem Umfeld eine gewisse Eingewöhnungszeit zu ermöglichen. Somit können Änderungswünsche leicht in die endgültige Versorgung übernommen werden und „Die sind ja viel zu groß und viel zu hell, das muss alles neu!“ – Überraschungsmomente vermieden werden. Nach theoretischer Einführung in die verschiedenen Möglichkeiten der Veneerpräparation und vielen praktischen Hinweisen zur fehlerfreien Abformung und zum einwandfreien Einsetzen der Keramikschalen konnten die Teilnehmer ihr neu erlangtes Wissen im praktischen Workshop direkt anwenden.

Ein rundum gelungener und spannender Fortbildungstag fand so seinen Ausklang. Durch die Praxisnähe und den sehr sympathischen und versierten Vortragenden eine Empfehlung für jeden Zahnarzt, der ästhetische Behandlungen erfolgreich in sein Praxiskonzept integrieren möchte.

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