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Prophylaxe – das „Kochbuch“ vom Wintersymposium 2017

Der tief verschneite Semmering zeigte sich beim Wintersymposium 2017 in der Zeit vom 13. bis 14. Jänner von seiner wild romantischen Seite, denn die dicken Schneeflocken hörten gar nicht mehr auf, vom Himmel zu fallen. Dieses Jahr stand das Thema Prophylaxe ganz im Mittelpunkt der Vorträge. Dabei wurden alle Informationen aus Österreich, Deutschland und der Schweiz zusammengetragen und sehr gelungen in einen Leitfaden – einem „Kochbuch“ – verpackt. Alle Themengebiete wie mechanisches und chemisches Biofilmmanagement, Fluoride, Wurzelkaries und Periimplantitis wurden besprochen und sinnvoll aufgearbeitet. Die niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen bekamen aber auch einen guten Einblick über das Immunsystem in Bezug auf die Zahnmedizin, welches eine immer bedeutendere Rolle beim zukünftigen Biofilmmanagement einnimmt. Die vielseitige Dentalausstellung konnte bei den Besuchern des Kongresses genauso punkten wie auch das umfangreiche Rahmenprogramm mit einem urigen Hüttenabend und dem Nachtrodeln im wilden Schneegestöber. dsc_9561

ein Bericht von Dr. med. dent. Marlene Schmidinger, BA – Zahnärztin und Medizinjournalistin

Das geschichtsträchtige Grand Hotel Panhans, welches ehrwürdig hoch oben am Semmering thront, trug zu einer gemütlichen Atmosphäre für das Wintersymposium 2017 bei. Noch vor dem Beginn des Kongresses trafen sich die Kongressbesucher zur Begrüßung im Cafe des Hotels, wo sich einst schon österreichische Spitzenpolitiker, Sportgrößen und Theaterstars trafen. Das Wintersymposium selbst fand im prunkvollen Festsaal des Hotels statt, im Le Jardin präsentierte sich die Dentalausstellung, welche neue Produkte und Geräte am zahnmedizinischen Sektor beheimatete. Das wissenschaftliche Programm des Wintersymposiums 2017 lief unter der Leitung von Univ.-Prof. Dr. Johannes Einwag, der sich vor allem bemühte, eine sinnvolle Take-Home-Message für alle niedergelassenen Zahnärztinnen und Zahnärzte mittels „Kochbuch“ zur Anwendung der Prophylaxe zu vermitteln. Beeindruckend war die Vielzahl der angereisten nationalen und internationalen Vortragenden, die den Kongressteilnehmerinnen und Kongressteilnehmern einen Ausblick in die zukünftige Prophylaxe geben konnten, aber auch den heutigen state oft the art der Prophylaxe vermittelten. Das Rahmenprogramm kam natürlich auch nicht zu kurz, denn nach dem Generieren des Wissens wurden die Zahnärztinnen und Zahnärzte mit einer Rodel ausgestattet und mittels Gondel der Semmeringbahn zum Lichtensteinhaus befördert. In gemütlicher Hüttenatmosphäre fand der erste Kongresstag einen lustigen und schönen Ausklang. Dies wurde allerdings noch von der anschließenden Nachtrodelfahrt im Schneegestöber auf der beleuchteten Piste getoppt, bei welcher auch der Rennehrgeiz der Teilnehmerinnen und Teilnehmer zum Vorschein kam.

Das Wintersymposium wurde durch den NÖ ÖGZMK Präsidenten Dr. Wolfgang Gruber eröffnet, welcher auch gleichzeitig das neue dynamische Team der NÖ ÖGZMK vorstellte. Tagungsleiter Univ.-Prof. Dr. Johannes Einwag (Stuttgart) stellte zu Beginn gleich ein paar Fakten in den Raum, die einen guten Einblick in die Materie gaben. So konnte festgestellt werden, dass in den letzten 25 Jahren beispielsweise der DMFT bei 12-Jährigen von 4,9 auf 0,5 gesunken ist. Die Frage, wie dieses Ergebnis zustande gekommen sei, lässt sich einfach erklären: Prophylaxe funktioniert, man müsse sie nur machen! Die Herausforderung für die Zahnärztinnen und Zahnärzte sei es aber, eine weitere Verbesserung zu schaffen.

Univ.-Prof. Dr. Christof Dörfer (Kiel) und Dr. Sonja Sälzer, PhD (Kiel) beschäftigten sich mit dem Thema des mechanischen Biofilmmanagements. Die erste Beschreibung des Biofilms geht auf das Jahr 1684 zurück, in dem Leeuwenhoek mittels Mikroskop den Biofilm untersuchte. Heute wissen wir deutlich mehr über dieses Thema und dabei wird klar, dass der Biofilm in der Mundhöhle nur vorübergehend besiegbar ist. Durch die häusliche mechanische Reinigung können theoretisch maximal 3,5 mm des subgingivalen Bereichs erreicht werden. Eine genaue Instruktion der Zahnbürste sei aber essentiell für die richtige Handhabung, da die Patienten auch bei Schallzahnbürsten Defekte im Mundraum verursachen können. Ein schonender professioneller Zahnabtrag kann durch einen Scaler oder ein Airpolishing mittels Pulver-Wasser-Strahlgerät geschehen, ein stärkerer Zahnabtrag entsteht durch die Benützung der Handinstrumente.

Dr. Steffen Rieger (Stuttgart) hielt einen Vortrag über chemisches Biofilmmanagement, bei dem die verschiedenen Möglichkeiten wie Mundspülungen, Laseranwendung, lokale Antibiotikatherapie und lokale antimikrobielle Substanzen besprochen wurden. Parodontitis ist mittlerweile als Volkskrankheit zu zählen und die sechsthäufigste Erkrankung der Menschheit. Dieses multifaktorielle Geschehen wird durch einen Dauerreiz des dentalen Biofilms ausgelöst. Die Gegenreaktion des Wirtsorganismus bestimmt dabei, ob es dann tatsächlich zu einer Erkrankung kommt.

Prof. Dr. Adrian Lussi (Bern) besprach die Themen Fluoride und Wurzelkaries. Fluoride können schon in kleiner Konzentration im direkten Kontakt mit dem Zahn lokal wirken. Die Förderung der Remineralisation entsteht durch die Erhöhung des Mineralanteils dank Fluorid. Wichtig ist es, die Patienten darüber aufzuklären, dass Fluorid nicht gleich Fluor ist und der Körper beispielsweise Fluorid benötigt. Wurzelkaries ist vor allem bei älteren Patienten ein Problem, daher muss zwischen inaktiver und aktiver Läsion richtig unterschieden werden. Die alleinige Begutachtung der verfärbten Stelle am Zahn reicht allerdings nicht zur Beurteilung der Aktivität aus. Besonders die Möglichkeit der Reinigung von nicht zugänglichen Läsionen sollte für den Patienten gewährt werden.

Ass.-Prof. Priv.-Doz. Dr. Ines Kapferer Seebacher, MSc (Innsbruck) referierte über die wichtige Rolle des Immunsystems in Bezug auf die Zahnmedizin. Bis zu 800 Bakterienarten befinden sich in der Mundhöhle, die mittels oralem Mikrobiom spezifisch einem bestimmten Patienten zugeordnet werden können. Die Parodontitis ist eine komplexe genetische Erkrankung, welche durch Faktoren wie Rauchen oder Stress noch mehr verstärkt werden kann.

Dr. Klaus-Dieter Bastendorf (Eislingen) beschäftigte sich mit dem Thema der mechanischen Entfernung von Biofilm. Dies kann durch Airflow-Geräte geschehen, mittlerweile sind auch verschiedene Pulvervarianten erhältlich, hierbei gilt es, eine feine Körnung zu bevorzugen. Zahnärzte sollten die Systeme, welche sie in der Praxis verwenden, gut kennen, denn nur das Wissen über diese Geräte und Materialien kann die Grundlage für einen tatsächlichen Erfolg sein.

Univ.-Prof. Dr. Johannes Einwag (Stuttgart) referierte abschließend noch über die Prophylaxe in den verschiedenen Altersgruppen. Das Milieu des Mundes kann sich nicht ändern, wenn sich die Rahmenbedingungen des Patienten nicht ändern. Das bedeutet, dass vor allem bei Kindern einige Regeln wie Flaschenabstinenz und Süßigkeitenreduktion durchgezogen werden müssen. Bei Senioren ist die Speichelstimulation durch verschiedene Präparate ein wichtiges Element, um den Schutz für Wurzelkaries sicherzustellen.

Wintersymposium 2017 – aufschlussreiche, interessante Vorträge – gelungenes Rahmenprogramm – begeisterte Kolleginnen und Kollegen – kurzum: ein toller Kongress!

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