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Wachauer Frühjahrsymposium & Digital Dentistry: Ist der volldigitale Workflow schon praxistauglich?

v.l.: Tagungspräsident Dr. Wolfgang Gruber, DDr. Christoph Vasak und DDr. Martin Krainhöfner

„Digital Dentistry“ war das Leitthema des 49. Wachauer Frühjahrsymposiums 2017. Aber ob volldigitales Arbeiten derzeit schon eine praxistaugliche Alternative sei, beantworteten DDr. Martin Krainhöfner und DDr. Christoph Vasak mit einem klaren „nein“. Und beide präsentierten gute Gründe für Ihre Position, zeigen aber gleichzeitig das hohe Potenzial der digitalen Zahnheilkunde.

Von Verena Gogl und Moritz Müller

Ja, die CAD/CAM Technologie hat sich in den letzten Jahren in der Zahnheilkunde etabliert und diese stark revolutioniert. Durch die computergestütze Konstruktion an virtuellen dreidimensionalen Modellen werden dem Behandler Arbeitserleichterung, Kosten- und Zeiteinsparungen versprochen/ermöglicht.

Intraoralscanner

Ja, mit der Entwicklung des Intraoralscanners ist die Zahnmedizin dem volldigitalen Workflow ein großes Stück näher gerückt. Eine konventionelle Abformung und damit verbundene Fehlerquellen sind ausgeschaltet. Schließlich ermöglicht die Intraoralkamera das Einscannen der Präparation direkt im Patientenmund – eine sofortige Beurteilung der Präparationsgeometrie wird am Bildschirm möglich.

Der okklusale Raum kann validiert und die Präparation auf Divergenz und Unterschnitte überprüft werden. Eine Präparationskorrektur und ein anschließender Korrekturscan können unmittelbar durchgeführt werden. Ja, somit kann die Qualitätssicherung gesteigert werden. Aber nicht automatisch.

Für den ungeübten Praktiker stellt der Einsatz der opotische Abdruck sowie die schnelle und präzise Erfassung im/am distalen Molarenbereich oder einem zahnlosen Kiefer eine Herausforderung dar. In vielen Fällen empfiehlt es sich daher deshalb, einen konventionellen Abdruck zu bevorzugen.

Zusammenarbeit Zahnarzt und Zahntechniker

Ja, durch den digitalen Workflow hat sich der Beruf des Zahnarztes und Zahntechnikers verändert – und deren Zusammenarbeit. Für Krainhöfner und Vasak steht fest: Nationale und internationale Fräszentren werden im Rahmen des volldigitalen Arbeitsflows zunehmend durch das Praxislabor mit Zahntechniker abgelöst. Die Präparation wird vom Zahnarzt digital mit Intraoralscanner abgeformt und chairside kontrolliert. Die Daten werden ins hauseigene Labor übertragen, wo der Zahntechniker die Präparationsgrenzen definiert, Modelle erstellt und die Restauration digital designed. Diese wird dann im Labor gefräst, angefärbt, gesintert und dem Patienten beim nächsten Termin eingesetzt.

Ja, das Indikationsspektrum für virtuell konstruierte Restaurationen erweitert sich ständig: Kronen, Brücken, Veneers, Inlays, Onlays, Stiftaufbauten, Teilprothesen, sogar Totalprothesen können volldigital hergestellt werden. In der Kieferorthopädie ermöglicht die digitale Abformung die Erstellung von

Alignern für die Schienentherapie. Der digitale Face-Scan ermöglicht eine vollständige Behandlungsplanung mit virtuellen Set-Ups. Behandlungserfolge und -ergebnisse können digital simuliert werden.

Geführte Implantologie

Besonders hat sich der digitale Workflow in der geführten Implantologie bewehrt: Im Zusammenspiel mit 3D-Röngtendaten plant der Behandler die Implantate virtuell. Über Bohrschablonen werden die Implantate in den Kieferkamm passgenau inseriert und mit individuellen Abutments und Kronen sofort versorgt. In einer Studie von Vercruyssen wurde die freihändige, mentale Navigation mit der digitalen Navigation – einer Bohrschablone- verglichen. Diese hat gezeigt, dass bei der navigierten Implantation die Umsetzung der präoperativen Planung signifikant präziser war.

„Ein volldigitaler Workflow in der Chirurgie ist theoretisch mit Intraoralscannern möglich. Die etablierten Systeme sind meistens aber semidigital, da zur Zeit noch ein analoger Zwischenschritt in Form einer CT-Schablone oder eines Laborscans angewandt wird“, so Krainhöfner und Vasak.

Trotz all der zahlreichen genannten Vorteile – der volldigitale Workflow hat auch Grenzen. Beispielsweise die Bissnahme bei stark reduzierter Restbezahnung und Leerkiefern, weitspannige Brücken mit Bogenform – insbesondere Brücken, die auf Implantaten verschraubt sind- und subgingivale Präparationen erfordern eine analoge Abformung und Planung.

Investitionskosten

Einen entscheidenden Grund für ihr „nein“ sehen Krainhöfner und Vasak in den Investitionskosten für das digitale Equipment. Anschaffung und Ersatzinvestition für die sich noch immer schnell weiterentwickelnde Technologie sind noch sehr kostspielig. Abschreckend wirke auf viele Praxisbetreiber auch die große Abhängigkeit vom Funktionieren der Software – ein Punkt, den man nicht vernachlässigen dürfe.

Aufgrund dieser Einschränkungen würden viele Zahnarztpraxen aktuell vor allem semidigital arbeiten. Für die Zukunft sehen aber auch Krainhöfner und Vasak weitere Optimierungen der Systeme und Senkung der Kosten, sodass eine volldigitale Praxis realisierbar wird – aber eben erst dann.

 

Verena Gogl und Moritz Müller studieren an der Danube Private University in Krems Zahnmedizin und absolvieren dort parallel den Bachelor Studiengang Medizinjournalismus und Öffentlichkeitsarbeit

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Kategorien:Veranstaltungen

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