Frau Dr. Schreder, Sie haben einen ziemlich ungewöhnlichen Werdegang: Zahnärztin, Zahnarztassistentin und Prophylaxeassistentin. Wie kam es dazu?
Das stimmt, aber bei mir war es eigentlich naheliegend – mein Großvater, mein Vater und meine Mutter waren alle Zahnärzte. Trotzdem wollte ich während meines Zahnmedizinstudiums wirklich verstehen, wie die Arbeit am Stuhl funktioniert. Deshalb habe ich parallel zur Uni die Ausbildung zur Zahnarztassistentin gemacht und später auch die Prophylaxeausbildung. Das war eine der besten Entscheidungen meines Lebens! Ich habe dadurch beide Perspektiven kennengelernt und weiß genau, worauf es im Praxisalltag ankommt.
Was bedeutet das konkret für Ihre Arbeit heute?
Ich unterrichte jetzt seit über 20 Jahren in der Prophylaxeausbildung – mit demselben Team, das sich damals am Zahnärztlichen Fortbildungsinstitut zusammengefunden hat. Zusätzlich habe ich lange die Ausbildung zur Zahnarztassistentin geleitet. Diese Erfahrung aus beiden Welten ist unbezahlbar: Ich weiß, was Assistentinnen brauchen, um gut zu arbeiten, und ich weiß auch, was Zahnärzte von ihrem Team erwarten.
2025 haben Sie dann die Vienna Dental Academy gegründet. Warum?
Es gab einen politischen Wechsel am ZAFI, und unser Team war plötzlich nicht mehr erwünscht – obwohl wir durchwegs positive Rückmeldungen hatten. Wir waren alle überzeugt, dass wir gute Arbeit leisten. Also habe ich mir gedacht: Warum nicht weitermachen? Ich gebe gerne weiter, was ich von der Pike auf gelernt habe. So entstand die Idee, mich auf Ausbildungen speziell für Zahnarztassistentinnen und Prophylaxeassistentinnen zu spezialisieren.
„Bei uns kennt jeder jeden“
Es gibt ja mittlerweile viele Anbieter. Was macht die Vienna Dental Academy besonders?
Bei uns ist es wirklich familiär! Wir haben bewusst nur fünf Vortragende – das bedeutet, jeder kennt jeden. Sie hören nicht jede Stunde von einem anderen Referenten. Wir haben maximal 18 Teilnehmerinnen pro Kurs, damit wir wirklich auf jede einzelne eingehen können.
Besonders wichtig ist mir das Hands-on-Training: Wir arbeiten viel am Modell und vor allem am Patienten – fast wie in einem Einzelcoaching. Mir geht es darum, dass ich jede Teilnehmerin dort abholen kann, wo sie steht. Wenn 50 Leute im Raum sitzen, geht das nicht. Aber in einer kleinen Gruppe erkenne ich schnell, wo jemand noch Defizite hat, und kann gezielt darauf eingehen.
Warum ist Ihnen das so wichtig?
Weil ich will, dass die Assistentinnen, die bei uns abschließen, wirklich gut in der Praxis sind! Es soll ein Mehrwert sein – für die Kollegen, aber vor allem für die Assistentinnen selbst. Man hat nur Spaß an der Arbeit, wenn man selbstsicher ist in dem, was man tut. Und genau diese Selbstsicherheit wollen wir vermitteln.
Der Beruf hat Zukunft – wenn die Bedingungen stimmen
Viele Zahnärzte klagen, dass sie keine motivierten Assistentinnen finden. Woran liegt das Ihrer Meinung nach?
Das ist eine komplexe Frage. Ein Problem ist sicher, dass viele junge Leute nicht wissen, was der Beruf alles bietet. Es gibt so viele Möglichkeiten zur Weiterbildung – PAss, Aufbaukurse oder viele spezialisierte Fortbildungen rund um den zahnärztlichen Themenkreis, wie Assistenz in der Chirurgie und Implantologie, Kinderzahnheilkunde und Prophylaxe. Man kann sich wirklich entwickeln und weiterkommen!
Ich glaube nicht, dass die Bezahlung alles ist aber, wenn jemand gut ausgebildet und die Person motiviert und kompetent ist, dann muss ich auch bereit sein, entsprechend zu zahlen. Die Zeiten von „Ich darf beim Arzt arbeiten, bei den Göttern in Weiß“ sind vorbei. (Heute wissen die Leute, was sie wert sind – und das ist auch gut so!)
Was würden Sie Praxisinhabern raten?
Wichtig ist sicherlich, entsprechende Rahmenbedingungen zu schaffen, in denen sich Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wohlfühlen und weiterentwickeln können. Mit Fortbildungsmöglichkeiten, einem guten Arbeitsklima kann da schon viel bewegt werden. Geld ist bei den jungen Leuten nicht mehr alles, was aber nicht bedeutet keine faire Entlohnung zu bieten.
Weiterbildung lohnt sich – für alle!
Sie haben die Prophylaxeausbildung angesprochen. Was bedeutet diese Zusatzqualifikation für Assistentinnen?
Ganz konkret: Als Prophylaxeassistentin dürfen Sie eigenständig am Patienten arbeiten! Sie sind ein Mehrwert für jede Praxis und übernehmen ein Menge Verantwortung. Das ist ein echter Karriereschritt und macht den Arbeitsalltag viel abwechslungsreicher und erfüllender.
Ich habe in den letzten 20 Jahren gesehen, wie Teilnehmerinnen in diesen Kursen gewachsen sind. Nicht nur fachlich, sondern auch persönlich. Viele entwickeln eine ganz andere Selbstsicherheit und Ausstrahlung. Das ist wunderschön zu beobachten.
Haben sich die Teilnehmerinnen über die Jahre verändert?
Diese Frage muss ich leider mit ja beantworten. Vor rund 20 Jahren war die Ausbildung zur Prophylaxe-Assistenz noch etwas Besonderes. Das Eigeninteresse war groß, das Wissen wurde förmlich aufgesogen, und man konnte beobachten, wie die Teilnehmerinnen von Wochenende zu Wochenende gewachsen sind. Heute zeigt sich manchmal ein anderes Bild: Die Anzahl an Assistent:innen welche nicht aus Eigenmotivation an der Fortbildung teilnehmen, sondern vom Arzt geschickt werden ist ansteigend. Ausbildungswochenenden werden dann als Belastung empfunden. Das ist schade – und für uns Ausbildner natürlich eine Herausforderung, das Interesse zu wecken.
Was ist Ihre Haltung dazu?
Mir ist es wichtig, fair und transparent zu sein: Ich achte darauf, dass jede Teilnehmerin die Inhalte wirklich versteht und umsetzen kann. So stellen wir sicher, dass die Absolventin sicher im Umgang mit den Patienten ist und für den Arzt oder die Ärztin einen Mehrwert darstellt, dass zwei Türen weiter jemand arbeitet, auf den man sich verlassen kann.
Die Zukunft gestalten
Was wünschen Sie sich für die Zukunft der Zahnarztassistentinnen in Österreich?
Dass der Beruf die Wertschätzung bekommt, die er verdient! Dass Weiterbildung nicht als lästige Pflicht gesehen wird, sondern als Chance. Und dass Praxisinhaber verstehen, dass gut ausgebildete, motivierte Assistentinnen das wertvollste Asset einer Praxis sind.
Ich möchte mit der Vienna Dental Academy einen Ort schaffen, wo Assistentinnen nicht nur fachlich lernen, sondern auch als Persönlichkeiten wachsen können. Wo sie sich gegenseitig unterstützen und wo sie merken: Ich kann etwas, ich bin kompetent, ich habe eine Zukunft in diesem Beruf!
Vielen Dank für das Gespräch, Frau Dr. Schreder!
Zur Person
Dr. Bettina Schreder ist Zahnärztin mit eigener Praxis in Wien und Gründerin der Vienna Dental Academy. Sie selbst hat die Ausbildung zur Zahnarztassistentin und Prophylaxeassistentin absolviert und unterrichtet seit über 20 Jahren in der Prophylaxeausbildung. Ihr Fokus liegt auf praxisnaher Ausbildung in familiärer Atmosphäre.
Kontakt:
Vienna Dental Academy
www.viennadental.ac
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