
Es gibt Unternehmen, deren grösster Wettbewerbsvorteil schlicht darin besteht, dass sie niemand kopiert hat. Nicht aus mangelndem Interesse – sondern weil es zu schwierig ist. Die Häubi AG in der Schweiz ist ein solches Unternehmen. Ein sogenannter Hidden Champion. Seit 99 Jahren baut die Firma Zahnarztpraxen: plant, schreinert, richtet ein und liefert die Dentalgerätetechnik – alles aus einer Hand. Ein Konzept, das in der Schweiz bis heute einmalig geblieben ist. Vor rund fünf Jahren begann ein neuer Abschnitt in der Geschichte des Unternehmens. Das Ehepaar Andreas und Michèle Kohler hat das Unternehmen übernommen – er als langjähriger Insider, sie als strategische Kraft von aussen. Was wie eine gewöhnliche Firmenübernahme klingt, ist bei näherer Betrachtung ein Lehrstück über Kontinuität, unternehmerischen Mut und die Kraft des Handwerks im digitalen Zeitalter.
DER WEG VON DER WERKBANK INS CHEFBÜRO
Andreas Kohler begann seine Karriere bei Häubi vor 23 Jahren – als Servicetechniker für Dentalbehandlungseinheiten. Ein Einstieg, der bodenständiger kaum sein könnte. Doch die Firma liess ihn wachsen: Er übernahm die Dentalabteilung, wurde Teil der Geschäftsleitung und griff schliesslich – gemeinsam mit seiner Frau – zur grössten unternehmerischen Entscheidung seines Lebens.
„Ich hatte sicherlich schon immer den Anreiz, ein Unternehmer zu sein. Das war für mich schon immer irgendwie im Blut.“
Die Frage, ob der Schritt vom Angestellten zum Unternehmer eine grosse Umstellung gewesen sei, beantwortet er mit entwaffnender Nüchternheit: Nicht wirklich. Das unternehmerische Denken habe er schon immer mitgebracht. Was sich verändert habe, sei das Ausmass der Verantwortung – nicht das Prinzip. „Sicherlich kommt mehr Verantwortung dazu, wo man sich bewusst wird und Entscheidungen dazu. Aber das grosse Drum und Dran bleibt dasselbe. Und das ist eigentlich das Wichtigste – dass die Konstanz, die Ehrlichkeit, die Fairness da sein muss.“ Was er dabei auslässt: dass solche Sätze nur jemand glaubwürdig sagen kann, der sie jeden Tag lebt. Michèle Kohler kam 2021 mit der Firmenübernahme ins Unternehmen – zuständig für Marketing und Personalwesen. Ihr Blick von aussen war gewollt. Denn wer 99 Jahre Geschichte bewahren will, braucht auch jemanden, der sie mit frischen Augen betrachtet. Die neue Eigentümerfamilie verfolgt eine doppelte Strategie: Die DNA des Unternehmens – familiäre Kultur, inhabergeführte Struktur, handwerkliche Qualität – soll unangetastet bleiben. Gleichzeitig wurden Prozesse digitalisiert, Strukturen modernisiert, Positionierungen geschärft. „Wir wollen sicher die DNA bewahren, weil wie man sieht, hat es bis jetzt sehr gut funktioniert. Das alles auf den Kopf zu stellen, wäre falsch.“ Dass dabei bewusst auf externe Kapitalgeber und Grosskonzerne verzichtet wird, ist kein Zufall – sondern Überzeugung. Die Kohlers wollen Häubi inhabergeführt nach vorne bringen. „Step by Step und nicht alles auf den Kopf stellen wollen – das wäre sicher nicht die Lösung gewesen.“

DAS EINZIGARTIGE GESCHÄFTSMODELL – SCHREINEREI, PLANUNG, DENTALTECHNIK
Wer auf der Häubi-Website nach einer kurzen Firmenbeschreibung sucht, stösst auf eine ungewöhnliche Metapher: das Unternehmen bezeichnet sich selbst als „Dorfschreinerei, in der es nach Sägemehl riecht“. Gleichzeitig betreibt es CNC-Maschinen, arbeitet mit 3D-Visualisierungssoftware und vertreibt modernste Dentalgeräte. Ein Widerspruch? Für Andreas Kohler nicht. „Der Mensch, das Handwerk ist eigentlich die Grundbasis für alles. Und es wird ergänzt durch die Technologie, durch Maschine, durch die Entwicklung.“ Das Schöne – und zugleich die Herausforderung – liege darin, beides zusammenzuführen. Was Häubi von Mitbewerbern unterscheidet, ist die vollständige Wertschöpfungskette unter einem Dach: Innenarchitektur und Praxisplanung, eigene Schreinerei für die Möbelfertigung sowie Dental-Gerätekompetenz – vom Behandlungsstuhl bis zur Sterilisationseinheit. In der Schweiz bietet das kein anderes Unternehmen in dieser Kombination an. Doch warum hat das bis heute niemand kopiert? „Die Herausforderung ist sehr, sehr gross und nicht so einfach zu bewältigen“, sagt Kohler. Die Expertise, alle drei Bereiche wirklich zu beherrschen, habe man nur durch jahrzehntelange Erfahrung. „Das führt wieder auf unsere Erfahrung zurück, die wir mit den langen Jahren haben.“ Wer glaubt, der Einsatz von Digitaltechnik und CNC-Maschinen führe unweigerlich zu standardisierten Lösungen von der Stange, irrt. Bei Häubi ist das Gegenteil Programm. Jede Praxis wird als individuelles Projekt behandelt – kein Empfangstresen, kein Möbel wird ein zweites Mal in identischer Form gefertigt. „Wir beginnen nie beim Möbel selbst, sondern bei den Menschen“, erklärt Michèle Kohler. Jede Praxis habe ihre eigene Persönlichkeit, jeder Arzt und jede Ärztin eigene Wünsche – zu Farben, Formen, Atmosphäre. Diese werden zunächst sorgfältig angehört. Das Ergebnis: ein Unikat. Die eigentliche Kunst liege dabei in der Verbindung von Kreativität und Funktionalität. „Vielfach hat man einen Wunsch, eine Vorstellung, aber die muss man auch umsetzen können und vor allem muss sie auch funktionieren.“ Das Wissen darüber, welche Lösung auch nach vielen Jahren noch praktikabel ist, haben die Mitarbeitenden von Häubi durch die tägliche Arbeit in Zahnarztpraxen – nicht aus dem Lehrbuch. In einer Welt, in der 3D-Visualisierungen architektonische Entwürfe täuschend echt erscheinen lassen, betreibt Häubi zwei grosszügige Showrooms: einen im Kanton Bern, einen weiteren – seit Herbst letzten Jahres – in Kemptthal zwischen Zürich und Winterthur. Warum dieser Aufwand, wenn doch alles auch digital gezeigt werden könnte? Michèle Kohler bringt es auf den Punkt: „Eine 3D-Visualisierung zeigt zwar die Bilder, aber unser Showroom zeigt dann wirklich die Realität.“ Es geht um haptische Erfahrungen – das Material anfühlen, das Schubladensystem schliessen hören, die Ergonomie der Behandlungsstühle selbst testen.
„Entschieden wird dann oft auch mit dem Bauchgefühl – und dafür braucht es einen Ort, an dem man eintauchen, vergleichen und erleben kann.“
Bei Investitionsentscheidungen, die für viele Jahre Bestand haben sollen – und im Fall einer vollständigen Praxisausstattung schnell sechsstellige Frankensummen erreichen – reichen Bilder eben nicht aus. „Unser Showroom ist nicht nur ein Showroom, sondern wirklich ein Erlebnis. Wie der Europa-Park.“ Sie lacht. Ein Vergleich, der selbstbewusst klingt. Aber wer die Dimensionen kennt, findet ihn kaum übertrieben.
SCHNITTSTELLEN SIND KOSTENTREIBER – UND HÄUBI ELIMINIERT SIE
Das kaufmännische Argument für das Häubi-Modell ist simpel und überzeugend. Wo Architekturbüro, Schreiner und Dentalfachhändler separat beauftragt werden müssen, multiplizieren sich Schnittstellen, Missverständnisse – und Kosten. „Es werden Missverständnisse minimiert und natürlich letztlich auch Kosten. Und das ist ganz klar der grösste Vorteil für unsere Kunden,“ ergänzt sie. Hinzu kommt der Zeitfaktor. Wer alle Gewerke koordinieren muss, verliert nicht nur Nerven, sondern auch Wochen. Und: Wer die Behandlungsabläufe einer Zahnarztpraxis nicht aus eigener Erfahrung kennt, plant häufig an der Praxis vorbei. „Die Theorie ist wichtig, aber die Erfahrung ist unbezahlbar – und die haben wir seit 99 Jahren.“ Das spiegelt sich auch bei der Kostensicherheit wider. Häubi begleitet den gesamten Planungs- und Bauprozess, führt auf Wunsch eine Baukostenkontrolle durch und hält nach eigener Aussage konsequent an den vereinbarten Kostenvoranschlägen fest. „Das ist Stress, den wir versuchen zu reduzieren.“ Häubi baut nicht nur neue Praxen auf der grünen Wiese. Ein wachsender Teil des Geschäfts entfällt auf Teilrenovationen, Facelifts, Erweiterungen und die Anpassung von Sterilisationsbereichen an aktuelle Normen. Das macht das Angebot zugänglicher – auch für Praxisbetreiber, die nicht gleich alles neu machen wollen. „Wir versuchen immer das Optimum rauszuholen – die Wünsche des Kunden abzuholen und diese eins zu eins umzusetzen.“ Die Bandbreite reicht vom einzelnen neuen Empfangstresen bis zur Komplettsanierung. Die Einstiegshürde für eine erste Beratung ist bewusst niedrig gehalten. Im Gespräch mit den Kohlers fällt ein Satz, der symptomatisch für die Unternehmensphilosophie steht. Auf die Frage, was letztlich die Qualität sicherstellte, antwortet Michèle Kohler nicht mit Zertifizierungen oder Qualitätsprozessen – sondern mit einer fast poetischen Beschreibung des Menschen als Produktionsfaktor.
„Der Mensch hat so eine Eigenschaft, die persönlich ist, die Kopf und Herz hat – und das macht es schlussendlich aus.“
Diese Überzeugung zieht sich durch das gesamte Unternehmen: von der Schreinerei über die Praxisplanung bis hin zur Dentalberatung. Die Maschine kann präzise sein. Die Ausstrahlung, die Signalisation, die menschliche Fähigkeit zur Empathie – das kann sie nicht. Es ist eine Haltung, die in einer Welt zunehmender Automatisierung fast anachronistisch wirkt. Und vielleicht gerade deshalb so wirksam ist. 2027 wird Häubi 100 Jahre alt. Das Jubiläum soll bereits im Jahr davor – mit der Dentalmesse in Bern als Bühne – begonnen werden zu feiern. Für die Familie Kohler ist das Datum mehr als ein Marketinganlass: Es ist Beweis dafür, dass ein Unternehmen, das auf echtes Handwerk, echte Kundenbeziehungen und echte Expertise setzt, auch im 21. Jahrhundert bestehen kann. Die Dorfschreinerei mit dem Sägemehlgeruch hat die Digitalisierung überlebt. Weil sie sie nicht bekämpft hat – sondern integriert.

Häubi AG – Fakten im Überblick
Gegründet: 1927 (99 Jahre, Jubiläum 2026)
Geschäftsführung: Andreas und Michèle Kohler
Leistungen: Praxisplanung, Innenarchitektur, Schreinerei, Dentaltechnik
Alleinstellungsmerkmal: Vollständige Wertschöpfung aus einer Hand – einzigartig in der Schweiz
Showrooms: Kanton Bern sowie Kemptthal (ZH/Winterthur)
Zielgruppe: Zahnärzte, Zahnarztpraxen, Labore (Neubau, Umbau, Renovation)
Kontakt: Unverbindliche Beratung auf Anfrage – auch spontane Showroom-Besuche möglich inkl. einer Tasse guten Kafffees. www.haeubi.ch








