Österreich

Paroknowledge Wintersymposium 2015

IMG_4724Von Dr. med. dent. Marlene Schmidinger

Das Paroknowledge Wintersymposium fand auch dieses Jahr vom 4.-6. Dezember in der schönen „Gamsstadt“ Kitzbühel statt, welche allerdings den Besuchern in der Vorweihnachtszeit noch nicht verschneit zu Füßen lag, aber mit herrlichem Kaiserwetter glänzte. Veranstaltet wurde das Symposium von der österreichischen Gesellschaft für Parodontologie, die sich dieses Jahr mit hervorragenden Referenten aus Deutschland rühmen durfte.

Angefangen bei Prof. Dr. Christoph Dörfer (Kiel, Deutschland), der über die moderne Strategie zum Langzeit-Zahnerhalt vortrug und schon von Beginn dem Auditorium vermittelte, dass das Behandlungsziel ein lebenslanger Erhalt der natürlichen Zähne in einem gesunden, funktionellen und ästhetisch akzeptablem Zustand sein soll. Dieses Ziel kann nur durch die präventive Behandlungsstrategie erreicht werden, wobei es daran liegt, die Parodontitis frühzeitig zu erkennen und zu therapieren. Ein parodontales Screening mit einer Parosonde und der Eintragung der parodontalen Werte 0 bis 4 pro Sextant, wie beim PSI, ist bei jeder Anamnese Pflicht. Ein Screening mittels PSI soll alle kranken Personen erkennen und deshalb muss dieses Verfahren bei jedem Patienten angewendet werden, wobei der Befund nur dann erhoben wird, wenn jemand nach dem Screening unter Verdacht steht, krank zu sein. Durchaus relevant ist auch die Mitarbeit des Patienten in der Parodontitistherapie, da diese nur durch die richtige Compliance des zu Behandelnden wirklich erfolgreich verlaufen kann. Dabei sind Zielwerte in der Plaquereduktion, also auch die Verbesserung der häuslichen Plaquekontrolle, notwendig, genauso aber wie die zuverlässige Wahrnehmung der Termine. Die Kernaussage des Vortrags belief sich darauf, dass die geschlossene Zahnreihe so lange wie möglich erhalten werden sollte, genauso wie irreversible Entscheidungen einer Zahnextraktion niemals aufgrund einer Momentaufnahme entstehen sollten. Ein Langzeiterhalt von Zähnen ist fast immer möglich, wenn die zwei Faktoren mitspielen – zum einen der Patient und zum anderen der Zahnarzt.

IMG_4655Einen äußerst humorvollen und mitreißenden Vortrag hielt Dr. Wolfgang Westermann (Emsdetten, Deutschland) über die Langzeitbetreuung parodontal kompromittierter Patienten als Antwort auf evolutions-biologische Veränderungen des Homo sapiens. Das Thema Parodontitis wurde aus einem anderen Blickwinkel aufgerollt, denn durch die Domestizierung und das stetigen Älterwerden des Menschen entsteht nicht nur das Problem der Parodontitis, sondern auch die Problematik des Knochenabbaus, der freiliegenden Zahnhälse und des Rückgangs der Gingiva. Es gibt hierzu verschiedene Typen des Attachmentverlusts, das sind der horizontale Attachmentverlust, der vertikale Attachmentverlust und die Rezession. Beim horizontalen Knochenverlust kann es zum Verlust der Molaren kommen, aber durch Schienung der restlichen Zähne wird der Zustand zu mindestens nicht verschlechtert, wohingegen beim vertikalen Knochenverlust wieder Knochen entstehen kann, wenn der Biofilm im Defekt zum Beispiel durch eine endodontische Behandlung eliminiert ist. Die Ziele der Parodontaltherapie werden wie folgt definiert: der Wert bei API und BOP muss unter 25 % liegen, einer Zahnsondierungstiefe soll unter 4 mm sein, es darf keinerlei Furkationsbeteilungung geben und der Patient soll Nichtraucher sein (unter 10 Zigaretten). Nach wie vielen Monaten ein Recall stattfinden soll, hängt von der Morbidität des Patienten ab. Bei einem Patienten mit aggressiver Parodontitis, einer Allgemeinerkrankung und umfangreichem Zahnersatz/Implantaten empfiehlt sich ein 3 monatiger Recall, wohingegen bei Normalfällen und Patienten ohne Probleme mit einem Recall von 12 Monaten gerechnet werden kann.

IMG_4639Zu guter Letzt erläuterte Privatdozent Dr. Michael Stimmelmayr (Cham, Deutschland) das Thema der plastischen Parodontalchirurgie und die Frage, ob die plastische Parodontalchirurgie nur für die Ästhetik gebraucht wird. In vielen Fällen dient die PA-Chirurgie zur Verbesserung der parodontalen Verschönerung oder auch der periimplantären Ästhetik, aber gerade die modernen prothetischen Versorgungen sind ohne die plastische PA-Chirurgie und einer Verbesserung der Funktion kaum noch durchführbar. Durch Studien ist erwiesen, dass eine adäquat befestigte Gingiva zu weniger Plaqueanlagerungen, zu geringeren Entzündungswerten und zu niedrigeren pro inflammatorischen Mediatoren (TNF α) führt. Weiter gibt es bei dickem Weichgewebe über 2 mm weniger Knochenabbau und Knochenverlust um Implantate als bei dünnem Weichgewebe unter 2 mm. Die befestigte und keratinisierte Gingiva um Zähne und Implantate ist also für die parodontale und periimplantäre Gesundheit von entscheidender Bedeutung. Das Weichgewebemanagement soll aber nicht nur die Aufgabe des Chirurgen sein, denn der Prothetiker und auch der Zahntechniker sollten sich bei diesem Thema einbringen.

Kulinarisch wurde das Symposium den Besuchern natürlich auch gerecht, da sowohl in dem Restaurant „Streifalm“ als auch im Hotel „Kaiserhof“ Köstlichkeiten aufgetischt wurden. Als schönen Ausklang fanden noch abschließende Kamingespräche statt und es gab einen regen Austausch zwischen Referenten, Teilnehmern und der Industrie. Kitzbühel präsentierte sich also nicht nur wettertechnisch von der schönsten Seite, auch beim Thema Paro war es ein Glanzpunkt.

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