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Chinesische Importe: Der Preis der Abhängigkeit

Chinesische Dentalunternehmen drängen mit günstigen Materialien, Scannern, Röntgengeräten und Alignern auf den europäischen Markt. Für Zahnarztpraxen und Dentallabore scheint das zunächst attraktiv. Doch jede Kaufentscheidung verändert auch die industrielle Landschaft. Verliert Europa seine Hersteller, verliert es nicht nur Arbeitsplätze, sondern langfristig auch Innovation, Versorgungssicherheit und technologische Selbstständigkeit. Wohlstandsverluste sind so programmiert.

Noch sind Europas Dentalhersteller weltweit ein Begriff. Unternehmen aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, Liechtenstein, Italien und Frankreich stehen für hochwertige Materialien, präzise Instrumente, leistungsfähige Behandlungseinheiten und anspruchsvolle digitale Workflows. Über Jahrzehnte entstand ein enges Netzwerk aus Forschung, Produktion, Dentalhandel, Zahntechnik, Universitäten und niedergelassenen Zahnärzten. Doch dieses industrielle Fundament gerät unter Druck. Auf den internationalen Dentalmessen wird die Veränderung längst sichtbar. Chinesische Unternehmen treten nicht mehr nur als anonyme Produzenten einfacher Verbrauchsmaterialien auf. Sie präsentieren sich mit großen Messeständen, modernen Markenwelten und vollständigen digitalen Prozessketten. Ihr Angebot reicht vom Zirkonoxidrohling über den Intraoralscanner und die CAD/CAM-Fräsmaschine bis zum 3D-Drucker, DVT und Alignersysteme.

Fünf Unternehmen stehen beispielhaft für diese Entwicklung: Aidite, Upcera, Fussen, SHINING 3D und Angel Aligner. Sie zeigen, wie schnell sich die chinesische Dentalindustrie vom preisgünstigen Zulieferer zum direkten Wettbewerber europäischer Hersteller entwickelt.

Aidite: vom Zirkonoxid zum Komplettsystem

Aidite aus Qinhuangdao begann als Spezialist für dentale Zirkonoxidmaterialien. Heute bietet das Unternehmen nicht nur Zirkonoxidrohlinge, Glaskeramik, PMMA, Malfarben und Glasuren an, sondern auch Fräsmaschinen, 3D-Drucker und weitere Komponenten des digitalen Workflows. Aidite positioniert sich selbst als globaler Anbieter vollständiger Lösungen für die digitale Zahnmedizin. Das Geschäftsmodell ist strategisch klug gewählt. Zunächst wird der Markt über vergleichsweise günstige Verbrauchsmaterialien erschlossen. Hat sich die Marke in den Laboren etabliert, folgen Geräte, Software, Schulungen und abgestimmte Systemkomponenten.

Damit konkurriert Aidite nicht mehr nur mit einzelnen Zirkonoxidherstellern. Das Unternehmen greift zunehmend das Geschäftsmodell europäischer Systemanbieter an, die ihre Umsätze ebenfalls mit einer Kombination aus Geräten, Materialien, Software und Service erzielen.

Der entscheidende Vorteil eines solchen Ökosystems liegt in der Kundenbindung. Wer Scanner, Fräsmaschine, Ofen und Materialien aus einer Hand bezieht, wechselt später nur noch mit erheblichem Aufwand zu einem anderen Hersteller.

Upcera: Europas Materialhersteller unter Druck

Auch Upcera hat seine Wurzeln bei dentalen Restaurationsmaterialien. Das Unternehmen produziert unter anderem Zirkonoxid, Hybridkeramiken und weitere CAD/CAM-Materialien und baut zugleich digitale Lösungen unter einer eigenen Marke auf. Upcera beschreibt seine Strategie ausdrücklich als Verbindung aus dentalen Materialien und digitalen Restaurationslösungen.

Besonders bedeutsam für Europa ist die regulatorische Entwicklung. Im Juni 2024 meldete Upcera, für Zirkonoxid und weitere vollkeramische Produkte eine Zertifizierung nach der europäischen Medizinprodukteverordnung MDR erhalten zu haben. Damit beseitigte das Unternehmen eine wesentliche Markteintrittshürde für die Europäische Union. Das zeigt: Chinesische Hersteller wollen nicht länger nur in preissensiblen Schwellenmärkten wachsen. Sie investieren gezielt in Zertifizierungen, internationale Vertriebsstrukturen und lokale Ansprechpartner, um in den europäischen Kernmarkt vorzudringen.

Für europäische Hersteller von Zirkonoxid und Glaskeramik ist das eine unmittelbare Bedrohung. Materialprodukte lassen sich relativ leicht vergleichen. Wenn Festigkeit, Transluzenz und Farbabstufung auf dem Papier ähnlich erscheinen, entscheidet der Käufer häufig nach dem Preis.

Doch genau hier beginnt das volkswirtschaftliche Problem.

Werden europäische Materialien dauerhaft durch billigere Importe ersetzt, sinken bei heimischen Herstellern die Stückzahlen. Fixkosten für Forschung, Zulassung, Qualitätssicherung und Produktion verteilen sich auf weniger Produkte. Die europäischen Erzeugnisse werden dadurch relativ teurer – und geraten noch stärker unter Druck.

Es entsteht eine Abwärtsspirale.

Fussen Technology wurde 2010 gegründet und konzentriert sich auf digitale Bildgebung und vernetzte Dentalworkflows. Zum Portfolio gehören unter anderem Röntgen-Systeme, Intraoralscanner, Röntgensensoren, Speicherfoliensysteme und Softwarelösungen. Nach eigenen Angaben werden die Produkte in mehr als 80 Ländern vertrieben und in über 80.000 Zahnarztpraxen eingesetzt.

Die Bildgebung gehört zu den technologisch anspruchsvollsten Bereichen der Zahnmedizin. Sie verbindet Hardware, Sensorik, Strahlenschutz, Bildverarbeitung, künstliche Intelligenz, Praxissoftware und medizinische Datenspeicherung.

Wer in diesem Bereich Marktanteile gewinnt, verkauft deshalb nicht einfach ein Röntgengerät. Er erhält langfristigen Zugang zu klinischen Daten, Softwareplattformen und digitalen Praxisprozessen.

Fussen baut zudem eigene Strukturen in Europa auf. Das Unternehmen verweist auf deutsche Gesellschaften für Fertigung, Vertrieb, Marketing und Service. Eine Niederlassung oder Endmontage in Europa darf jedoch nicht automatisch mit einem europäischen Produkt gleichgesetzt werden. Entscheidend sind Fragen wie:

• Wo findet die wesentliche Forschung und Entwicklung statt?

• Wo werden zentrale Komponenten produziert?

• Wo entstehen Patente und technisches Know-how?

• Wo werden Gewinne versteuert und reinvestiert?

• Wer kontrolliert Software, Cloud-Infrastruktur und Produktstrategie?

Für eine Praxis mag es zunächst unerheblich erscheinen, wo ein Sensor oder Scanner entwickelt wurde. Auf volkswirtschaftlicher Ebene ist es jedoch entscheidend. Verschwindet die europäische Kompetenz in der dentalen Bildgebung, lässt sie sich später nicht kurzfristig neu aufbauen.

Die europäische Dentalindustrie verbindet Medizin, Präzisionsmechanik, Werkstoffwissenschaft, Software, Bildgebung und künstliche Intelligenz. Geht diese Kompetenz verloren, verliert Europa einen Teil seiner medizinischen und technologischen Souveränität.

SHINING 3D: Digitalisierung zum Kampfpreis

SHINING 3D wurde 2004 gegründet und entwickelte sich aus der industriellen 3D-Messtechnik heraus. Heute bietet das Unternehmen eine breite Palette aus Intraoralscannern, Laborscannern, Gesichtsscannern, 3D-Druckern, Software und cloudbasierten Diensten an. Das Unternehmen beschreibt sein Dentalangebot als vollständigen Workflow vom Scannen über das Design bis zum Druck.Nach eigenen Angaben hat SHINING 3D bereits mehr als 100.000 Scannersysteme ausgeliefert. Für den Dentalmarkt werden Lösungen vom intraoralen Scan bis zur additiven Fertigung angeboten.

Damit trifft SHINING 3D einen besonders empfindlichen Punkt der europäischen Dentalindustrie: die Digitalisierung kleiner und mittlerer Praxen und Labore.

Viele Betriebe wollen digitalisieren, können oder wollen aber keine hohen fünfstelligen Beträge investieren. Ein günstiger Scanner mit moderner Benutzeroberfläche, brauchbarer Software und niedrigen laufenden Kosten klingt deshalb attraktiv.

Kurzfristig sinkt damit die Einstiegsschwelle in die digitale Zahnmedizin. Das ist positiv. Langfristig kann sich jedoch eine neue Abhängigkeit bilden.

Denn der Scanner ist nur das Eingangstor. Danach folgen Cloud, Patientendaten, Designsoftware, künstliche Intelligenz, Drucksystem, Materialien und Plattformdienste. Entscheidend ist daher nicht allein der Kaufpreis des Geräts, sondern die Kontrolle über den gesamten digitalen Prozess. Wer den Scan kontrolliert, kontrolliert zunehmend auch den nachfolgenden Workflow.

Angel Aligner greift nach einem margenstarken Markt

Angel Aligner wurde 2003 gegründet und hat sich zu einem international tätigen Anbieter transparenter kieferorthopädischer Schienen entwickelt. Das Unternehmen spricht von mehr als zwei Jahrzehnten Erfahrung und über zwei Millionen behandelten Fällen weltweit. Produktionskapazitäten bestehen beziehungsweise entstehen nach Unternehmensangaben nicht nur in China, sondern auch in Malaysia, Brasilien und den USA.

Der Alignermarkt ist aus mehreren Gründen strategisch interessant. Er verbindet medizinische Behandlung mit Software, automatisierter Planung, industrieller Produktion und direktem Markenmarketing. Die eigentliche Kunststoffschiene ist nur ein kleiner Teil der Wertschöpfung.

Von wesentlich grösserer Bedeutung sind:

• die digitale Behandlungsplanung

• die Softwareplattform

• die klinischen Datensätze

• die Algorithmen zur Zahnbewegung

• die Beziehung zum Behandler

• die langfristige Bindung an ein System

Mit jedem neuen Fall wächst nicht nur der Umsatz des Anbieters, sondern potenziell auch dessen Datenbasis. Diese Daten können zur Verbesserung der Behandlungsplanung und zur Entwicklung neuer Funktionen verwendet werden. Angel Aligner zeigt damit besonders deutlich, dass der Wettbewerb nicht mehr nur über die Produktion geführt wird. Es geht um Plattformen, klinische Daten und digitale Marktstandards.

Es geht primär nicht um China gegen Europa

Eine kritische Betrachtung chinesischer Dentalprodukte darf nicht mit einer pauschalen Abwertung verwechselt werden. Viele Produkte chinesischer Hersteller sind technisch interessant, regulatorisch zugelassen und wirtschaftlich attraktiv. Einige erreichen bereits ein Qualitätsniveau, das etablierte europäische Anbieter ernst nehmen müssen. Wettbewerb kann Preise senken und Innovation beschleunigen. Auch europäische Unternehmen produzieren teilweise in Asien, beziehen Komponenten aus China oder verkaufen einen erheblichen Teil ihrer Produkte auf dem chinesischen Markt. Eine vollständig nationale oder europäische Lieferkette ist bei komplexen Medizinprodukten kaum realistisch.

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht: Darf man chinesische Produkte kaufen?

Sie lautet vielmehr: Welche Folgen hat es, wenn der Preis zum fast einzigen Entscheidungskriterium wird und europäische Anbieter systematisch Marktanteile verlieren?

Der billigste Preis kann langfristig teuer werden

Bei einem Scanner, einer Fräsmaschine oder einem DVT werden meist Anschaffungspreis, Leasingrate, technische Daten und Garantie verglichen. Deutlich seltener wird berücksichtigt, welche volkswirtschaftlichen Leistungen im Preis eines europäischen Produkts enthalten sind. Ein europäischer Hersteller finanziert mit seinen Erlösen unter anderem:

• Arbeitsplätze in Entwicklung und Produktion

• Ausbildungsplätze und technisches Fachwissen

• klinische Forschung und Universitätskooperationen

• europäische Zulassungs- und
Qualitätsstrukturen

• lokale Servicetechniker und
Ersatzteillager

• Steuern und Sozialabgaben

• sowie die Entwicklung der nächsten Produktgeneration

Diese Faktoren erscheinen auf keiner Angebotszeile. Sie wirken aber auf die gesamte Gesellschaft und damit mittel- und langfristig auch auf Praxen und Labore bzw. ihre Patienten.

Europäische Unternehmen können bei den Produktionskosten nicht mit staatlich unterstützten oder sehr gross skalierten chinesischen Herstellern konkurrieren. Sie benötigen funktionierende Heimatmärkte, um Entwicklung, Zulassung und Service zu finanzieren. Geht dieser Heimatmarkt verloren, verschwinden nicht nur einzelne Produktmarken. Es gehen spezialisierte Zulieferer, Entwicklungsabteilungen, Servicenetzwerke und hoch qualifizierte Arbeitsplätze verloren.

Wo bleibt das Geld?

Vom Käufer zum Abhängigen

Industriepolitische Abhängigkeit entsteht selten über Nacht. Sie entwickelt sich in mehreren Stufen.

Zunächst werden importierte Produkte gekauft, weil sie billiger sind. Danach sinken die Umsätze der heimischen Hersteller. Produktion und Entwicklung werden reduziert oder verlagert. Einige Unternehmen verschwinden oder werden übernommen. Schliesslich bleiben nur noch wenige ausländische Anbieter übrig.

Dann verändert sich die Marktmacht.

Preise können steigen, Ersatzteilversorgung und Softwarezugang werden von externen Entscheidungen abhängig, und politische oder logistische Konflikte treffen die Versorgung unmittelbar. Gleichzeitig fehlen im eigenen Wirtschaftsraum die Kapazitäten, kurzfristig Alternativen herzustellen.

Die Europäische Kommission bezeichnet die Handelsbeziehung mit China inzwischen als kritisch unausgewogen und verweist auf systemische Verzerrungen durch Chinas Wirtschafts- und Industriepolitik.

Das bedeutet nicht, dass jedes chinesische Unternehmen subventioniert wird oder jedes chinesische Produkt unfair angeboten ist. Es bedeutet aber, dass europäische Hersteller teilweise in einem Umfeld konkurrieren, in dem Finanzierung, Skalierung, Marktzugang und staatliche Industriepolitik anders organisiert sind.

Ein rein betriebswirtschaftlicher Preisvergleich bildet diese Unterschiede nicht ab.

Zahnärzte und Labore tragen Verantwortung

Ein einzelner Zahnarzt wird Europas Industriepolitik nicht verändern. Tausende gleichgerichtete Kaufentscheidungen tun es sehr wohl.

Praxen und Labore sind nicht nur Konsumenten. Sie sind Teil eines dentalen Ökosystems. Ihre Entscheidungen bestimmen, welche Hersteller wachsen, welche Technologien weiterentwickelt werden und welche Serviceinfrastruktur in Europa erhalten bleibt.

Daraus folgt nicht, dass immer das teuerste oder zwingend ein europäisches Produkt gekauft werden muss. Auch europäische Hersteller müssen wettbewerbsfähig, innovativ und serviceorientiert bleiben. Doch vor einer Investition sollten mehr Kriterien geprüft werden als Anschaffungspreis und Datenblatt:

Wo wird entwickelt und produziert?

Ein europäischer Firmensitz allein sagt wenig über die tatsächliche Wertschöpfung aus.

Wie hoch ist die europäische Wertschöpfung?

Produktion, Entwicklung, Software und Service können aus unterschiedlichen Regionen stammen.

Ist ein verlässlicher lokaler Service vorhanden?

Bei komplexen Medizinprodukten entscheidet nicht der Kaufpreis, sondern die Total Cost of Ownership (TCO).

Wie lange werden Ersatzteile und Softwareupdates garantiert?

Ein billiges Gerät kann teuer werden, wenn es nach wenigen Jahren technisch oder softwareseitig nicht mehr unterstützt wird.

Wo werden Patienten- und Scandaten gespeichert?

Bei cloudbasierten Systemen müssen Datenhoheit, Zugriffsrechte und Exportmöglichkeiten geklärt sein.

Ist das System offen oder entsteht eine Abhängigkeit?

Offene Dateiformate und Schnittstellen reduzieren das Risiko eines späteren Anbieterwechsels.

Welche langfristigen Kosten entstehen?

Lizenzen, Cloudgebühren, Verbrauchsmaterialien, Wartung und verpflichtende Systemkomponenten gehören in jede Gesamtrechnung.

Auch Europa muss handeln

Die Verantwortung darf allerdings nicht allein auf Zahnarztpraxen und Labore abgewälzt werden.

Europäische Hersteller müssen ihre Produkte verständlicher positionieren und den Mehrwert lokaler Entwicklung und Produktion deutlicher kommunizieren. Ein hoher Preis allein ist noch kein Qualitätsbeweis. Schlechte Bedienbarkeit, geschlossene Systeme oder überhöhte Servicekosten lassen sich nicht dauerhaft mit dem Hinweis auf europäische Herkunft rechtfertigen.

Auch Politik, Verbände und Dentalhandel sind gefordert

Öffentliche Beschaffung und Förderprogramme sollten nicht ausschliesslich den niedrigsten Kaufpreis bewerten. Kriterien wie Versorgungssicherheit, Reparierbarkeit, Softwarepflege, Datenschutz, europäische Wertschöpfung und langfristige Ersatzteilversorgung müssen stärker gewichtet werden. Der Dentalhandel wiederum entscheidet mit seinem Sortiment, welche Hersteller Zugang zum Markt erhalten. Wer kurzfristig hohe Margen mit Importprodukten erzielt, sollte auch prüfen, ob Service, technische Dokumentation und Ersatzteile über zehn Jahre gesichert sind.

Kaufentscheidungen sind industriepolitische Entscheidungen

Europa hat in den vergangenen Jahrzehnten in mehreren Branchen erlebt, wie schnell technologische Führungspositionen verloren gehen können. Photovoltaikmodule, Unterhaltungselektronik, Batteriezellen und Teile der Telekommunikation zeigen, wie aus einem Preisvorteil eine strukturelle Abhängigkeit werden kann. Die Dentalindustrie ist kleiner, aber strategisch nicht bedeutungslos. Sie verbindet Medizin, Präzisionsmechanik, Werkstoffwissenschaft, Software, Bildgebung und künstliche Intelligenz. Geht diese Kompetenz verloren, verliert Europa einen Teil seiner medizinischen und technologischen Souveränität. Aidite, Upcera, Fussen, SHINING 3D und Angel Aligner sind keine Randerscheinungen. Sie sind Vorboten einer neuen Wettbewerbsphase. Ihre Produkte werden besser, ihre Marken internationaler und ihre Systeme umfassender. Österreichische Zahnärzte und Zahntechniker sollten diese Unternehmen auch als Anlass nehmen, das eigene Einkaufsverhalten zu hinterfragen. Sichert ein Produkt von W&H eher den eigenen Wohlstand (made in Austria) oder ein Winkelstück von Temu? Von der Qualität einmal abgesehen.

Der niedrigste Preis ist nicht immer der günstigste Preis.

Ein Produkt kann bei der Anschaffung einige Tausend Euro weniger kosten und gleichzeitig dazu beitragen, dass in Europa Entwicklung, Produktion, Service und industrielle Kompetenz verschwinden. Was heute als Ersparnis in einer Praxisbilanz erscheint, kann morgen als Abhängigkeit, Arbeitsplatzverlust und Innovationsdefizit auf die gesamte europäische Volkswirtschaft zurückfallen.

Die Frage beim nächsten Gerätekauf sollte deshalb nicht nur lauten:

Was kostet dieses Produkt?

Sondern auch:

Welche wirtschaftliche und technologische Zukunft finanziere ich mit diesem Kauf bzw. möchte ich mit dem Kauf finanzieren?Auch sollten Labore Ihre Zahnärzte informieren, welche Produkte sie verwenden und warum. Nicht jedem Zahnarzt ist bewusst, wenn chinesische Werkstoffe verwendet werden und nicht jeder möchte das. Von den Patienten ganz zu schweigen.

Abschliessende Anmerkung des Autors
„Mit diesem Artikel möchte ich als Betriebswirt lediglich über einige vielleicht manchmal übersehene wirtschaftliche bzw. volkswirtschaftliche Zusammenhänge informieren. Am Ende muss jeder natürlich seine eigene Entscheidung treffen und auch dazu stehen.“

Oliver Rohkamm
Oliver Rohkamm
Immer auf der Suche nach neuen zahnmedizinischen Innovationen. Hat ein Faible für alles, was mit dem digitalen Workflow in der Zahnmedizin zu tun hat. Zusätzlich interessiert er sich für Computer und alles was zwei Räder hat. In der Freizeit ist er vor allem auf dem Motorrad, Rennrad oder Mountainbike zu finden.
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