Mittwoch, Mai 22, 2024
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Interview mit Andreas Hering, Leiter Diagnostische Systeme Dürr Dental: „Unsere Kernkompetenz ist das Vorantreiben der AI im Gerätebereich“

Das Unternehmen Dürr Dental prägt und beeinflusst den Dentalmarkt seit über 80 Jahren mit innovativen Produkten. Ein wichtiger Teil davon sind die Diagnostischen Systeme. Das dental journal hatte Gelegenheit nachzufragen, woran gerade gearbeitet wird, und was in Zeiten von AI in Zukunft zu erwarten ist.

Vom 2D zum 3D Röntgenbild: Dürr nennt die Sparte «Diagnostische Systeme». Diagnostik ist jedoch mehr als nur das Produzieren und Anzeigen eines Röntgenbildes. Der Begriff impliziert Unterstützung bei der Bewertung von Aufnahmen. Wo steht Dürr Dental im Moment bei der unterstützenden Diagnostik?
Dürr Dental startete vor 55 Jahren mit analogen Entwicklungsautomaten, der XR24 war so ein Meilenstein. Die Digitalisierung führte dann weiter zu den Speicherfolienscannern. Vor 10 Jahren hat man sich aufgrund des Erfolges entschieden bei den Röntgensystemen im Markt als Komplettanbieter aufzutreten. Zunächst kam der Intrastrahler, ein Panoramaröntgengerät und vor sieben Jahren fiel die Entscheidung zur Entwicklung und Produktion eines 3D DVTs. Daher kann der Zahnarzt heute von uns im Bereich Röntgen alle Gerätevarianten aus einer Hand bekommen. Vom Speicherfolienscanner, intraoralen Röntgenstrahler, Kameras, Sensoren und Panormaröntgengeräten bis zum 3D DVT deckt Dürr Dental alles an Technik ab. Plus – und darauf sind wir besonders stolz – der kompletten Software. Unsere Softwareexperten entwickeln alles im Hause selbst – von der Firmware bis zur intelligenten Bildsoftware VistaSoft AI, die seit der letzten Version Künstliche Intelligenz nutzt.

AI ist im täglichen Leben angekommen. Sei es bei den Autos oder in der Medizin in der Begutachtung von Röntgenbildern wie z.B. der automatischen Kariesdiagnostik à la dentalXrai. ChatGPT und Midjourney haben den Hype allgemein befeuert. Wie sehen Sie das Thema AI für Dürr Dental im Bereich Diagnostische Systeme?
Jede intraorale Röntgenaufnahme wird seit der Softwareversion 3.x zu vollautomatisch rotiert und in der korrekten Ansicht gespeichert. Unser Ziel war es den Arbeitsablauf anzusehen und intelligent zu optimieren. Das macht die Arbeit einfacher und reduziert Fehler, die in Praxen gerade durch die hohe Fluktuation begünstigt werden.

VistaSoft AI inklusive: Intelligente Funktionen erleichtern die Bedienung
Die hauseigene Bildverarbeitungssoftware namens VistaSoft verwaltet sämtliche Bilddaten, egal ob Röntgenbild, Intraoralaufnahme oder Intraoralscannerdateien jeweils in Zusammenarbeit mit der jeweilig verwendeten Praxissoftware. Zusätzlich bieten wir eine Cloudlösung mit der Bilder DSVGO konform verschickt werden können. Diese Software wird kostenlos mit der Hardware mit geliefert und ist in unterschiedlichen Ausbaustufen verfügbar. Seit der letzten IDS haben wir beispielsweise die neue Version 3.0, welche künstliche Intelligenz nutzt. Auch wenn Dürr Dental aktuell keinen eigenen Intraoralscanner für digitale Abdrücke hat, können diese Aufnahmen selbstverständlich ebenfalls mit VistaSoft verwaltet werden. Für Patientengespräche kann VistaSoft Röntgen- und Intraoralkameraaufnahmen nebeneinander anzeigen, um dem Patienten die Situation klar und transparent erklären zu können.

Künstliche Intelligenz (AI) ist in der Softwareentwicklung unser Hauptfokus
Künstliche Intelligenz (AI) ist aktuell in der Softwareentwicklung unser Hauptfokus.

Wir unterscheiden zwischen interner und externer künstlicher Intelligenz. Die interne AI umfaßt aktuell:

  • AI-gestützte oder automatische Falschseitenbelichtungserkennung
  • Automatische Zahnerkennung
  • Automatische Dosisberechnung
  • Automatische Speicherfolienqualitätsprüfung

Bei externer AI ist es häufig so, dass diese Lösungen in der Cloud berechnet und analysiert werden. Dafür bieten wir mit unserer Software den Anwendern Schnittstellen zum Hochladen von Röntgenbildern zur Kariesdetektion an. Für den Endkunden gibt es in der Bedienung keinen Unterschied, er nutzt einfach workflowbasiert die AI mit unseren Produkten. Ein weiterer Fokus unserer AI Softwareentwicklung bei uns ist es, dem Anwender Routinearbeit abzunehmen und ihn in der täglichen Arbeit zu unterstützen und nicht um ihn zu bevormunden.

Das Internet der Dinge (IOT) ist in aller Munde. In welchem Zusammenhang ist das Thema bei Dürr Dental interessant und wird künftig eine Rolle spielen und wo sehen Sie konkret den Nutzen für die tägliche Anwendung in der Praxis?
Wir bieten eine IOT Plattform namens VistaSoft Monitor an, die in der Lage ist, kritische dentale Infrastruktur in Echtzeit zu überwachen. Damit meine ich vor allem die Lebensader der Praxis, wie Kompressor, Absaugung und die Speicherfolienscanner. Wenn da etwas ausfällt, steht die gesamte Praxis. Mit unserer App ist der Zahnarzt in der Lage die Praxis zu überwachen. Das ist kostenfrei, die App können Sie einfach über den Appstore runterladen und einrichten.

In Zukunft rufen die Geräte einen Techniker, bevor sie ausfallen
In Zukunft wollen wir unser komplettes Geräteportfolio über die Cloud untereinander vernetzen und monitoren um die Praxisversorgung abzusichern. Da geht es nicht nur darum, ob das Gerät aktuell läuft, sondern auch welchen Wartungsbedarf es aktuell und zukünftig gibt und welche Ausfallwahrscheinlichkeit dahinter steht. Im Idealfall meldet sich das Gerät mit einer konkreten Wartungsanforderung, bevor es ausfällt. Der Nutzen ist enorm: Nicht nur, dass teure Ausfälle oder gar Praxisstillstände verhindert werden, sondern die rechtzeitige Wartung sorgt letzten Endes für eine Lebensverlängerung der Geräte und nützt damit dem Umweltgedanken. Damit ist das IOT mit der Cloudanbindung neben der Künstlichen Intelligenz unsere 1. Priorität in der hauseigenen Softwareentwicklung.

Wo sehen Sie die Wettbewerbsvorteile von Dürr Dental und das Geheimnis des stetigen Erfolges?
Für uns ist es extrem wichtig, flexibel auf Marktbedürfnisse zu reagieren. Ein Beispiel hierfür ist, dass in Deutschland eine Röntgeneinrichtung seit dem 01.01.2023 nur verwendet werden darf, wenn sie „[…]über eine Funktion verfügt, die die Parameter, die zur Ermittlung der Exposition der untersuchten oder behandelten Person erforderlich sind, elektronisch aufzeichnet und für die Qualitätssicherung elektronisch nutzbar macht“. (StrlSchV §114 Abs. 1 Nr. 2) Nach § 195 Abs. 2 S. 1 StrlSchV ist diese Anforderung von Geräten zu erfüllen, die ab dem 1. Januar 2023 erstmals in Betrieb genommen werden. Das haben wir als einer der ersten am Markt fristgerecht umgesetzt. Warum ist uns das so schnell gelungen? Wir entwickeln unsere komplette Software selbst und können daher sehr schnell auf neue Marktgegebenheiten reagieren.

Immer wieder betont Dürr Dental das Siegel „Made in Germany“. Hat das nicht den Nachteil, dass Sie kostenmäßig Wettbewerbsnachteile haben?
Wir investieren stetig in Forschung & Entwicklung sowie Fertigungstechnologien um wettbewerbsfähig zu bleiben – durch die Kombination von höchster Qualität und neuen Technologien wie AI sind wir ein verlässlicher und innovativer Partner für unsere Kunden.

www.duerrdental.com

Oliver Rohkamm
Oliver Rohkamm
Immer auf der Suche nach neuen zahnmedizinischen Innovationen. Hat ein Faible für alles, was mit dem digitalen Workflow in der Zahnmedizin zu tun hat. Zusätzlich interessiert er sich für Computer und alles was zwei Räder hat. In der Freizeit ist er vor allem auf dem Motorrad, Rennrad oder Mountainbike zu finden.
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