Samstag, Dezember 10, 2022
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«Auch die Österreicher sind sehr an technischen Fragen interessiert, was aber nicht heisst, dass die Ästhetik vergessen wird.»

Am Rande eines Intensivkurses des ICDE Wien in den Räumlichkeiten der «Bruguera Dental School» in Barcelona hat sich das Dental Journal mit dem spanischen Zahntechnik-Spezialisten und Kursleiter unterhalten.

Sie empfangen in Ihren Schulungsräumen Zahntechniker aus der halben Welt. Gibt es Unterschiede zwischen den verschiedenen Ländern?

Meine Kursteilnehmer sind ziemlich homogen, wenn es um das Thema der Ästhetik geht, doch es ist auch wahr, dass es bei verschiedenen Aspekten Unterschiede zwischen den Ländern gibt. Die Deutschen sind im technischen Sinne weit fortgeschritten, die Brasilianer haben bei der Ästhetik die Nase vorn und Japaner sind in Sachen Morphologie sehr gut. Auch die Österreicher sind sehr an technischen Fragen interessiert, was aber nicht heißt, dass die Ästhetik vergessen wird.

Beim aktuellen Kurs geht es um Zirkondioxid versus Lithium Disilikat. Was ist für Sie der große Unterschied?

Bei diesem Thema könnte ich jetzt eine Stunde lang sprechen… Der Unterschied zwischen den beiden Materialien hängt ganz einfach von der Sichtweise ab, etwa von der Härte und der Bruchresistenz vor oder nach der Zementierung. Lithium Disilikat weist ohne Verarbeitung einen Wert von 500 Megapascal aus, einmal zementiert steigt dieser Druckwert auf über Tausend an. Man kann also die Resistenz des Lithium Disilikat durch die adhäsive Technik wesentlich verstärken. Beim Zirkonoxid ist dies nicht der Fall.

Und weiter?

Die Bruchresistenz ist ein Parameter, dann ist da aber noch die Ästhetik. Wir können mit beiden Materialien die gleiche Farbe, die gleiche Transluzenz erreichen, doch die mimetischen Fähigkeiten sind ganz unterschiedlich.

Was verstehen Sie unter mimetischen Fähigkeiten?

Ich meine damit die Art, wie Materialien auf Licht reagieren und mit Licht interagieren. Unsere Aufgabe besteht darin den natürlichen Zahnschmelz zu kopieren, und dieser hat eine ganz eigene Lichtbrechung. Daher stellt sich für mich die Frage, welche Materialen eine möglichst gleiche Refraktion haben. Zirkonoxid ist in diesem Sinne weiter entfernt als Lithium Disilikat, welches der Lichtbrechung des natürlichen Zahnschmelzes näherkommt.

Und dann eine Grundsatzfrage: Ist das Schichten überhaupt noch zeitgemäß?

Das ist eine gute Frage, aber ja, ich glaube schon. Nur haben wir heutzutage die Fähigkeiten interessante Resultate zu erarbeiten, ohne zu schichten. Daher stellt sich die Frage, wann die Schichttechnik verwendet werden soll. Ich meine, nämlich genau dann, wenn wir so nah wie nur möglich an einen natürlichen Zahn herankommen wollen, wenn ich genau diesen Zahn kopieren möchte. Kein monolithisches Material kann den gewünschten Effekt schaffen.

Nach unserem Interview müssen Sie los, um Ihren Wagen aus der Kfz-Werkstatt abzuholen. Das bringt mich auf eine abschließende Frage: Welches ist der wichtigste Unterschied zwischen einem Zahntechniker und einem Automechaniker? Es sind ja beides irgendwie Handwerksberufe…

(Lacht…) Na ja, der eine arbeitet mit Dingen, die Einfluss auf die Gesundheit haben, der andere nicht. Und die Tatsache, dass der KFZ-Mechaniker nicht wirklich eine künstlerische Komponente in seinem Job hat, wir Zahntechniker hingegen schon.03

Daniel Izquierdo-Hänni
Daniel Izquierdo-Hänni
Der Schweizer Marketing- und Kommunikationsprofi Daniel Izquierdo-Hänni ist seit Beginn seiner beruflichen Laufbahn auch journalistisch tätig, die Dentalbranche kennt er seit über fünfzehn Jahren bestens. Unter anderem gibt er seit über zehn Jahren Kurse zu den Themen Praxismarketing und Patientenkommunikation in der Zahnmedizin. Als Autor beim Dental Journal kann er seine beiden Kompetenzfelder ideal miteinander verbinden. Privat und beruflich pendelt er zwischen seiner ehemaligen Heimatstadt Basel und seinem Wohnort Valencia/Spanien hin und her.
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