Freitag, Juli 30, 2021
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Digitale Transformation in der Implantologie – Möglichkeiten und aktuelle Limitationen

Berichterstattung über den 5. Schweizer Implantat Kongress am 13./14. November in Bern

Unter den aktuellen Umständen einen Kongress zu organisieren ist zweifelsohne kein Kinderspiel. Zuerst als Hybridveranstaltung angedacht, dann als Kongress mit einer limitierten Teilnehmerzahl geplant und schliesslich, nach einer Verschärfung der COVID-19 Regeln durch die Schweizer Regierung, als rein virtueller Anlass realisiert, war der 5. Schweizer Implantat Kongress nicht nur aus fachmedizinischer Sicht erfolgreich, er hat in Sachen Online-Veranstaltungen auch neue Massstäbe gesetzt.

Knapp 1’400 Zuschauer haben im grossen Konferenzraum des Kursaal Bern Platz, doch die Ränge waren vereinsamt. Dafür wieselte ein grosses Technik- und TV-Team während der beiden Veranstaltungstagen durch den Saal, wurde doch der Kongress als professionelle TV-Produktion realisiert. Ein Szenario für die Referenten wie auch für die Paneldiskussionen mit bis zu acht Teilnehmern wurde aufgebaut, ein genau ausgearbeiteter Regieplan sowie mehrere TV-Kameras sorgten dafür, dass der 5. Schweizer Implantat Kongress nicht einfach gestreamt, sondern professionell in Szene gesetzt und übertragen wurde. Dies mit dem grossen Vorteil für alle Online-Kongressteilnehmer, dass sie nicht – wie meistens üblich etwa bei einer Zoom-Konferenz – ein statisches Bild vor sich haben, sondern den ganzen Kongress wirklich miterleben können.

Am Rande des Kongresses sprach das Dental Journal Schweiz mit dem Präsidenten des Implantat Stiftung Schweiz über die Bedeutung der digitalen Transformation. Hier geht es zum Video auf dem Youtube-Kanal des dental journal.

Zahnmedizin eingebettet im normalen Leben

Den Startschuss zum Kongress gab Daniel Buser, Präsident der Implantat Stiftung Schweiz, in dem er kurz die Idee und Werte der Stiftung erklärte und dann der Berner Stadtpräsidenten Alec von Graffenried für ein Grusswort willkommen hiess. Gleich in die Materie der digitalen Entwicklung stieg Betriebsökonom und Wirtschaftsspezialist Stefan Linder, der in einem fundierten, mit praktischen Beispiel und Zahlen gespickten Referat die Entwicklung der Technologie aufzeigte – von vorgestern und gestern über das heute und morgen. Dabei sprach er nicht über Zahnmedizin, sondern über Innovationsentwicklungen und veränderten Medienkonsum – alles Themen, die einen direkten Einfluss auf die moderne Zahnmedizin, auf den Betrieb der Zahnarztpraxis von heute sowie auch das Verhalten der Dentalpatienten hat.

Praktische Erfahrungen und Erkenntnisse standen im Mittelpunkt

Auftakt in die dentale Materie machte Dr. med. dent. Malin Strasding, Uni Genf, mit ihrem, in französischer Sprache vorgetragenen Referat. Sie verglich darin die analoge mit der digitalen Therapieplanung und verwendete hierfür zahlreiche Beispiele aus der Praxis. Dr. med. dent. Alexis Ioannidis von der Universität Zürich basierte seine Erklärungen auf diversen Studien und praktischen Erfahrungen und fokussierte seinen Vortrag auf den Unterschied zwischen der konventionellen und der geführten, also «guided» Implantologie. Sozusagen ein Heimspiel hatte Prof. Dr. Martin Schimmel, ist der Deutsche doch Abteilungsleiter Gerodontologie an der Universität Bern. In seinem Vortrag sprach er über abnehmbare Versorgungen und verglich unter anderem verschiedene Arbeitsabläufe. Der Berner Zahnarzt Philipp Grohmann teilte mit dem virtuellen Publikum sein ganz eigenen, praktischen Erfahrung, wobei er sehr visuell aufzeigte, wie sich die Erfahrung der Zahnärzte, die implantologische Eingriffe durchführen, über die Jahre verändert hat.

On Demand bis Mitte Februar 2021: Der ganze, virtuelle Kongress wird während drei Monaten nach der Veranstaltung online und abrufbar sein. Dies ist nicht nur für solche interessant, welche die Liveübertragung verpasst haben, sondern auch für jene, die einzelne Schlüsselthemen und Referate zur Vertiefung ein zweites oder drittes Mal anschauen wollen. Und genau wie bei Netflix & Co kann man sich die Aufnahmen dann anschauen, wenn man Zeit dafür und Lust darauf hat.

Podiumsdiskussionen lebendig rübergebracht

Zweifelsohne interessant an einem Fachkongress sind nicht nur die Referate, sondern der Austausch zwischen den verschiedenen Spezialisten. Dieser persönliche Dialog kommt in der Regel bei virtuellen Kongressen zu kurz, nicht jedoch bei der Veranstaltung in Bern. Schon von Beginn an war nach jedem Themenblock eine Paneldiskussion geplant gewesen, und auch am virtuellen Kongress wollten Daniel Buser und seine Leute nicht auf diesen praktischen Erfahrungsaustausch verzichten. Genau an diesem Punkt zeigte sich der Vorteil, dass der ganze Kongress von der TV-Technikfirma Habegger mit mehreren Kameras aufgezeichnet und übertragen wurde. Sechs Teilnehmer nahmen im improvisierten Studio Platz, die Leitung der ersten Podiumsdiskussion hatte Prof. Dr. Frauke Müller von der Universität in Genf inne.

Vier Schwerpunktthemen an zwei Tagen

Die beiden Kongresstage in Bern wurden in vier thematische Schwerpunkte aufgeteilt. Bei den ersten Referaten ging es – und geht es als Download des ganzen Programmes auch weiterhin – um die digitale Therapieplanung, die zweite Session stand unter dem Titel «analoge versus digitale Implantatchirurgie», der dritte Konferenzteil am Samstagvormittag konzentrierte sich auf die Prothetik und Zahntechnik. Die finanziellen Aspekte der Digitaltechnik waren die vierte Fragestellung, die am 5. Schweizer Implantat Kongress aufgegriffen wurde. Prof. Dr. med. dent. Michael Bornstein aus Basel, mit welchem das Dental Journal Schweiz in der Ausgabe Nummer 4/2020 ein Interview führte, sprach auch an der Veranstaltung in Bern über das Thema der Künstlichen Intelligenz.

 

 

Daniel Izquierdo-Hänni
Der Schweizer Marketing- und Kommunikationsprofi Daniel Izquierdo-Hänni ist seit Beginn seiner beruflichen Laufbahn auch journalistisch tätig, die Dentalbranche kennt er seit über fünfzehn Jahren bestens. Unter anderem gibt er seit über zehn Jahren Kurse zu den Themen Praxismarketing und Patientenkommunikation in der Zahnmedizin. Als Autor beim Dental Journal kann er seine beiden Kompetenzfelder ideal miteinander verbinden. Privat und beruflich pendelt er zwischen seiner ehemaligen Heimatstadt Basel und seinem Wohnort Valencia/Spanien hin und her.
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