StartInterviewImplantatpflege im Fokus Teil 1: Periimplantitis in der Implantatnachsorge

Implantatpflege im Fokus Teil 1: Periimplantitis in der Implantatnachsorge

Periimplantitis zählt zu den zentralen Herausforderungen der Implantologie. Dr. med. dent. Florian Rathe, Parodontologe, Implantologe, Ästhetische Zahnmedizin, erläutert im Interview Risikofaktoren, Präventionsstrategien und die Bedeutung einer konsequenten Nachsorge.

Herr Dr. Rathe, worin bestehen aus Ihrer Sicht die größten Herausforderungen bei der Therapie von Periimplantitis?
Die größte Herausforderung liegt in der Langzeitstabilität der Behandlungsergebnisse. Im Vergleich zu natürlichen Zähnen ist die antimikrobielle Therapie bei Implantaten deutlich eingeschränkter. Der Biofilm kann sich aufgrund der andersartigen Implantatoberfläche und der Gewindestruktur besonders gut festsetzen und verstecken. Die klassischen Konzepte der antiinfektiösen Therapie, wie sie beim Zahn funktionieren, greifen hier nur bedingt.

Wie unterscheiden sich Prävention und häusliche Pflege bei Implantaten gegenüber natürlichen Zähnen?
Der Hauptunterschied liegt in der Art der Interdentalreinigung. Bei Implantaten empfehle ich klar Interdentalbürstchen statt Zahnseide. Es gibt Berichte darüber, dass sich Zahnseidenreste – vor allem bei zementierten Suprakonstruktionen – subgingival verfangen und Entzündungen fördern können. Wichtig ist die mechanische Plaqueentfernung. Fluorid in Zahnpasten ist das einzige evidenzbasierte Element, aber das Entscheidende ist: Die Oberfläche muss sauber gehalten werden – Unterstützend kann dabei eine antibakterielle Mundspülung verwendet werden, die vor Zahnfleischrückgang schützt.

Welche Rolle spielt die professionelle Nachsorge?
Eine ganz erhebliche! Die Nachsorge ist entscheidend für den Langzeiterfolg und muss patientenindividuell erfolgen. Das Risiko für Periimplantitis steigt mit Faktoren wie Rauchen, Diabetes, Parodontitis in der Vorgeschichte oder auch beruflichem Stress. Das Recall-Intervall sollte individuell abgestimmt sein – wenn alles gut läuft, kann man es verlängern. Das Praxisteam muss den richtigen Moment erkennen, um einzugreifen, ohne zu übertherapieren. Denn ein zu enger Recall bindet Kapazitäten, die anderen Patienten fehlen.

Was können Patienten selbst tun, um periimplantäre Entzündungen zu vermeiden oder frühzeitig zu erkennen?
Regelmäßige Zahnarztbesuche sind essenziell. Patienten sollten wissen, dass zum Beispiel bei Rauchern entzündetes Gewebe oft nicht blutet – das kann trügerisch sein. Ein schlechter Geschmack im Mund kann ein Hinweis auf Eiter sein. Bei schlechter Mundhygiene hilft ein strukturiertes Erhaltungstherapie-Programm. Entscheidend ist, dass der Patient seine Verantwortung versteht und annimmt.

Gibt es spezielle Pflegeprodukte, die Sie Implantatpatienten empfehlen?Interdentalbürstchen sind das Mittel der Wahl. Bei vielen Patienten beobachten wir Rezessionen und freiliegende Bereiche, die anfällig für Zahnhalskaries sind. Auch fluoridhaltige Zahnpasta, die den Plaque-Schweregrad besonders reduziert, wie beispielsweise die meridol Parodont Expert, ist sinnvoll. Doch entscheidend bleibt die mechanische Reinigung – sie ist durch nichts zu ersetzen.

Wie wichtig ist die individuelle Beratung?
Von zentraler Bedeutung. Ein Implantat ist ein künstliches Element im Mund – das muss man verstehen und akzeptieren. Ohne konsequente Aufklärung und Nachsorge droht langfristig der Verlust des Implantats. Gerade ältere Patienten, bei denen sich die Situation verändert – zum Beispiel ein Wechsel von festsitzendem zu herausnehmbarem Zahnersatz – brauchen intensive Begleitung. Nur so kann der Therapieerfolg langfristig gesichert werden.

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