Von Untersuchungen zur klinischen Leistungsfähigkeit 3D-gedruckter Langzeitprovisorien über minimalinvasive Kompositentfernung mittels Fluoreszenz-Identifikation bis zum Einfluss von Auskopplungsenergie auf eine lasergestützte Veneerentfernung: Bei der diesjährigen VOCO Dental Challenge zeigten die Nachwuchs-Zahnärzt:innen wieder eine große Bandbreite an anspruchsvollen Themen. Zehn aufstrebende Wissenschaftler:innen aus Deutschland und der Schweiz hatten bereits im Vorfeld mit ihren Bewerbungen überzeugt und sich somit das Ticket für das Finale in Cuxhaven gesichert. Den Sieg bei der 23. Auflage errang Dr. Ella Ohlsson vom Universitätsklinikum Erlangen mit der Präsentation zu der Fragestellung „Zytotoxizität selbstadhäsiver Komposit-Befestigungszemente“. Hierfür wurde sie mit einem Preisgeld in Höhe von 3.000 Euro sowie einem Publikationszuschuss in Höhe von 2.000 Euro belohnt. Zudem erhielt ihre Arbeitsgruppe weitere 3.000 Euro.
Die junge Zahnärztin untersuchte in ihrer Studie die zytotoxische Wirkung selbstadhäsiver Befestigungszemente, denn vor allem bei geringer Restdentindicke bestünde häufig das Risiko einer Diffusion in Richtung Pulpa. Nach verschiedenen Materialtests in einem Dentinbarriere-Kultursystem stellte sie fest, dass nicht nur die einzelnen Materialien unterschiedliche Auswirkungen auf die Zellviabilität haben, sondern auch das Polymerisationsprotokoll: Insbesondere die Lichthärtung scheine die Freisetzung potenziell zytotoxischer Restmonomere im Gegensatz zur Selbsthärtung zu reduzieren.
Den zweiten Platz belegte Dr. Theresa Fischer von der Universität Zürich mit ihrer Studie zum Thema „Shrinkage kinetics of conventional vs. fiber-reinforced composites using high-intensity photo-activation“. Auf dem dritten Platz folgte Philipp Laib (RWTH Aachen) mit seiner Ausarbeitung zum Thema „Minimalinvasive Kompositentfernung mittels Fluoreszenz-Identifikation“. Sie und ihre Arbeitsgruppen bekommen für diese Erfolge je 2.000 bzw. 1.000 Euro Preisgeld sowie einen Publikationszuschuss in Höhe von 2.000 Euro.
Zukunftsorientierte Themen
„Die Themen der diesjährigen Finalisten geben einen spannenden Ausblick darauf, wohin sich die Zahnmedizin entwickeln wird. Besonders beeindruckt uns, mit welcher wissenschaftlichen Tiefe bei gleichzeitig hohem Praxisbezug sich die jungen Forscher den aktuellen Fragestellungen stellen,“ lobte Veranstaltungsleiter Dr. Martin Danebrock.
Auch die anspruchsvolle Fachjury zeigte sich stark beeindruckt von der Leistung der Teilnehmer:innen. In diesem Jahr verantworteten Frau Prof. Dr. Mozhgan Bizhang (Universität Witten/Herdecke, Abteilung für Zahnerhaltung und Präventive Zahnmedizin), Herr Prof. Dr. Alexander Welk (Zentrum für ZMK Greifswald, Poliklinik für Zahnerhaltung, Parodontologie und Endodontologie) sowie Herr PD Dr. Stefan Wentaschek (Klinik für Zahnärztliche Prothetik Universitätsmedizin Mainz) die schwere Entscheidung. In die Bewertung floss nicht nur die Präsentation ein, sondern auch die sich anschließende Frage- und Diskussionsrunde, bei der die Redner:innen weitere Fragen beantworteten.
Fachlicher Austausch
„Wissenschaft lebt vom Dialog. Deshalb ist die VOCO Dental Challenge für uns weit mehr als ein Forschungswettbewerb: Wir möchten zuhören, diskutieren und von den Ideen der nächsten Generation profitieren. Einige Impulse aus den vergangenen Jahren sind bereits in unsere Arbeit eingeflossen,“ so Dr. Martin Danebrock. Gleichzeitig bietet der Wettbewerb auch den Teilnehmer:innen eine wertvolle Gelegenheit zum fachlichen Austausch und zur Vernetzung: Sie kommen mit anderen Nachwuchswissenschaftlern sowie erfahrenen Experten aus Wissenschaft, Industrie und Praxis ins Gespräch und können dabei neue Kontakte knüpfen, Erfahrungen teilen und ihr persönliches Netzwerk erweitern.
Die VOCO Dental Challenge auf einen Blick
– Jährlicher Forschungswettbewerb für junge Dental-Wissenschaftler:innen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz.
– In 10-minütigen Kurzvorträgen werden aktuelle Arbeiten mit dentalem Schwerpunkt präsentiert und zur Diskussion gestellt.
– Diese Referate sowie die sich direkt anschließenden Diskussionsrunden werden von unabhängigen Wissenschaftlern bewertet.
– In jeder Studie muss mind. ein VOCO-Produkt Gegenstand der Untersuchung sein.
– Anmeldeschluss ist jährlich der 30. April. Bis dahin dürfen die Forschungsergebnisse noch nicht öffentlich präsentiert worden sein.
Die Teilnehmer der 23. VOCO Dental Challenge auf einen Blick (in alphabetischer Reihenfolge):
Johanna Bernstein (Universitätsklinikum Ulm, Klinik für Zahnärztliche Prothetik): Einfluss von Auskopplungsenergie und Kühlungsstrategie auf eine zerstörungsfreie lasergestützte Veneerentfernung
Dr. Theresa Fischer (Universität Zürich, Klinik für Zahnerhaltung und Präventivzahnmedizin Gruppe Kariologie und Restaurative Zahnerhaltung): Shrinkage kinetics of conventional vs. fiber-reinforced composites using high-intensity photo-activation
Friedrich Fleiner (Universitätsklinikum Regensburg, Poliklinik für Zahnärztliche Prothetik): Fracture force of additively fabricated denture teeth after in-vitro aging
Hanna Knauth (Universität zu Köln, Poliklinik für Zahnärztliche Prothetik): Einfluss verschiedener Präparationsformen auf die Passgenauigkeit 3D-gedruckter Restaurationen: eine In-vitro Studie
Philipp Laib (RWTH Aachen, Klinik für Zahnerhaltung, Parodontologie und Präventive Zahnheilkunde): Minimalinvasive Kompositentfernung mittels Fluoreszenz-Identifikation
Mattea Krause (Universität Leipzig, Poliklinik für Zahnärztliche Prothetik und Werkstoffkunde): CAD/CAM-Multilayerwerkstoffe: Transluzenz, Opaleszenz und Mikrostruktur
Dr. Ella Ohlsson (FAU Erlangen-Nürnberg, Zahnklinik 1 – Zahnerhaltung und Parodontologie): Zytotoxizität selbstadhäsiver Komposit-Befestigungszemente: Ein In-Vitro-Vergleich im Dentinbarriere-Kultursystem
Patrick Prass (Universität Heidelberg, Poliklinik für Zahnärztliche Prothetik): Klinische Leistungsfähigkeit von 3D-gedruckten im Vergleich zu stuhlgefertigten Langzeitprovisorien
Paul Richter-Mendau (Ludwig-Maximilians-Universität München, Poliklinik für Zahnerhaltung, Parodontologie und Digitale Zahnmedizin): Camellia sinensis-Extrakte in semipermeablen Nanokapseln als Wirkstoff für Dentaladhäsive
Lea Stratmann (Georg-August-Universität Göttingen, Poliklinik für Präventive Zahnmedizin, Parodontologie und Kariologie): pH-modulation ion release and wear resistance of primary tooth restoratives
Junge Talente mit Top-Leistungen bei der VOCO Dental Challenge
Dr. Ella Ohlsson vom Universitätsklinikum Erlangen gewinnt traditionellen Forschungswettbewerb
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