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Nachbericht zur paroknowledge 2026

Die 29. Parodontologie Experten Tage haben Kitzbühel erneut zur Hochburg der Parodontologie gemacht. Unter dem Schwerpunkt „Implantate und periimplantäre Erkrankungen – State of the Art Therapie 2026“ trafen sich Zahnärzte, Prophylaxeassistentinnen und DHs drei Tage lang zwischen Hauptprogramm, Workshops, Fire-Side-Talks und einer umfangreichen Industrieausstellung – begleitet von einer ordentlichen Portion Tiroler Charme.

Corinna Bruckmann eröffnete souverän mit „Parodontitis: Schicksal oder vermeidbare Volkskrankheit?“ einem Leitvortrag, der über die übliche Eröffnungsrhetorik hinausging. Sie spannte den Bogen von der aktuellen WHO-Statistik – rund eine Milliarde Menschen weltweit mit schwerer Parodontitis, die damit zur sechsthäufigsten chronischen Erkrankung der Menschheit zählt – über die Kosten (global rund 710 Milliarden US-Dollar pro Jahr) bis zum eigentlichen Paradigmenwechsel der letzten Jahrzehnte. Die Anfälligkeit für Parodontitis ist nur zu etwa einem Drittel genetisch bedingt. Der weitaus größere Anteil wird durch die sogenannte Epigenetik bestimmt – also dadurch, wie Umweltfaktoren und das eigene Verhalten die Gene und das Mikrobiom im Mund beeinflussen. Bruckmann betonte, dass Faktoren wie chronischer Stress, Schlafmangel, Rauchen und Bewegungsmangel massive Auswirkungen auf die Mundgesundheit haben. Vor allem eine ungesunde Ernährung und Bauchfett wirken wie Brandbeschleuniger für stille Entzündungen („Silent Inflammation“) im ganzen Körper. Zudem besteht eine gefährliche Wechselwirkung zwischen Parodontitis und Allgemeinerkrankungen wie Diabetes Typ 2. Sie appellierte eindringlich an das zahnmedizinische Personal, den Patienten als Ganzes zu sehen, anstatt nur auf die Zähne zu schauen. Zahnärzte sollten Risikofaktoren systematisch abfragen, Blutzuckerwerte (HbA1c) berücksichtigen, Ernährungsberatung anbieten und mit anderen medizinischen Disziplinen zusammenarbeiten. Die Kernbotschaft:

„Parodontitis ist nicht das Schicksal Ihrer Patienten – Ihre Haltung ist Teil deren Schicksals.“ 

Im Anschluss übernahm Alexandra Stähli mit „Sekundärprävention in der parodontalen Langzeittherapie: Schlüssel zur Stabilität von Zahn und Implantat“ und machte klar, dass strukturierte Recall-Intervalle und individualisierte Hygieneinstruktionen über den langfristigen Erfolg entscheiden. Danach ließ man den Donnerstag beim Get-Together in der Kitzhof-Lounge an der Bar ausklingen, was zu angeregter Diskussion der Vorträge führte.

Lizz Görgl mit dem Team von Patent kurz nach ihrem Vortag

Freitag: Eröffnung, Ski-Weltmeisterin und ein dichtes Programm

Nach der offiziellen Eröffnung ging es ohne Aufwärmphase direkt in den Fire-Side-Talk „Zahnersatz im Profisport“: Ex-Skirennläuferin und Doppelweltmeisterin Elisabeth „Lizz“ Görgl startete mit ihrer Keynote „Die Magie des Flows – Wie Sie über sich hinauswachsen“ und ging dabei auch auf Rückschläge ein. Sie berichtete u.a., wie Sie es nach zwei verlorenen Zähnen im Zuge eines Sportunfalls geschafft hat, ihr Lächeln und ihr Selbstvertrauen wieder zu gewinnen und warum Sie sich als Profisportlerin damals für Fahrenholz und Symbionic Teeth entschieden hat. Sie betonte, dass Prävention und Entzündungsfreiheit essenziell für die allgemeine Fitness sind, da der Körper als Gesamtsystem funktioniert. Glauser ordnete den langfristigen Erfolg des Zahnersatzes wissenschaftlich ein und Fahrenholz ergänzte die klinische Perspektive 15 Jahre später.

Danach teilte sich das Programm in zwei Schienen. Für das Team ging es unter anderem um „Red Flags rund ums Implantat“ (Vera Wiesmüller), Quality of Life in der Parodontologie (Elias Salzmann), Mundhygiene bei Implantaten und die Ausbildung der PAss (beides Hady Haririan), KI für bessere Adhärenz (Dino Tur) sowie Diabetes, Rauchen und Teamarbeit als Risikofaktoren beziehungsweise Erfolgsfaktoren rund ums Implantat (Corinna Bruckmann, Linda Steurer, Ines Kapferer-Seebacher). Die Zahnärzte diskutierten unter anderem Implantate bei Parodontitispatienten (Ines Kapferer-Seebacher), die Rolle der Weichgewebsdicke (Ausra Ramanauskaite), fixierte versus keratinisierte Mukosa (Kristina Bertl), ästhetische Rehabilitation (Michael Müller) sowie resektive und rekonstruktive Periimplantitischirurgie (Andreas Stavropoulos, Behrouz Arefnia).

Dazwischen blieb dank zweier Kaffeepausen und einer Mittagspause genug Zeit für Fachgespräche und die Industrieausstellung. Am frühen Abend trafen sich die ÖGP-Mitglieder zur Jahreshauptversammlung, bevor es in Tracht zum Topevent der paroknowledge ging: die Alm-Lounge-Party im neu gestalteten „Mocking“ am Fuß der legendären Kitzbühel-Streifabfahrt mit Live-DJane Mel Merio. Nach einer Stärkung am Freiluftbuffet ging es wegen eines Gewitters dann hinein, was der Stimmung keinen Abbruch tat. Getanzt wurde bis in die frühen Morgenstunden, die Letzten sollen gegen halb sechs ins Hotel gekommen sein 😉

Voller Saal, gespanntes Publikum. Seit fast 30 Jahren schafft die paroknowledge als Veranstaltung für das gesamte Team, sich immer wieder neu zu erfinden.

Samstag: Workshops, Youngsters und das große Finale

Der letzte Kongresstag gehörte ganz der Praxis. Schon ab 9 Uhr liefen parallel mehrere Workshops: Guided Biofilm Therapy für Einsteiger (Bozana Djekic, EMS), Parodontitisund Periimplantitistherapie ohne Skalpell (Kristina Bertl und Andreas Stavropoulos für Regedent), Mundtrockenheit – „was tun, wenn die Spucke wegbleibt“ (TePe) sowie KI und Online-Marketing für die moderne Zahnarztpraxis (Paul Meschuh und Kilian Tögel, artmedia). Parallel dazu stellte das ÖGP YOUNGSTERS Forum mit Anastasia Klein, Lukas Wolschner und Jakob Guizetti drei Praxisfälle „auf dem Weg zum stabilen Implantat“ vor. Zum Abschluss widmete sich das Oral-B Up-to-Date Seminar der KI in der Zahnmedizin – von Workflowoptimierung bei oralchirurgischen Eingriffen bis zur fortgeschrittenen Periimplantitis. Bei Mittagspause, Oral-B Lunch und Finale in der Industrieausstellung durfte dann noch am Glücksrad gedreht werden.

Save the Date: paroknowledge 2027

Weil nach der paroknowledge bekanntlich vor der paroknowledge ist, lädt die ÖGP schon jetzt zum 30. Jubiläumskongress vom 10. bis 12. Juni 2027 wieder nach Kitzbühel. Motto: „Parodontologie & Lebensstil – Zwischen Genuss & Risiko“, mit Blick auf den Einfluss von Ernährung, Diabetes und Tabak-/Nikotinprodukten. Angekündigt sind unter anderem eine Keynote zum Thema Mental Health (Stressmanagement und aktive Regeneration zur Bestleistung), eine Video-Session Parodontalchirurgie mit realen Fällen und echten Diskussionen sowie das neue Format „Perspektiven im Dialog“ mit Experten, gesundheitspolitischen Entscheidungsträgern und Medien. Wir sehen uns nächstes Jahr am Fuße des Hahnenkamms!

 

Oliver Rohkamm
Oliver Rohkamm
Immer auf der Suche nach neuen zahnmedizinischen Innovationen. Hat ein Faible für alles, was mit dem digitalen Workflow in der Zahnmedizin zu tun hat. Zusätzlich interessiert er sich für Computer und alles was zwei Räder hat. In der Freizeit ist er vor allem auf dem Motorrad, Rennrad oder Mountainbike zu finden.
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