In der Schweiz drückt man sich drei Küsse auf die Wangen, wenn man sich trifft, im ansonsten eher „touchigen“ Spanien sind es dagegen nur zwei. Einstige Kommunistenführer schmatzten sich den Bruderkuss direkt auf den Mund, in Wien ist da man etwas zurückhaltender: Küss die Hand gnädige Frau.

Nun, es geht mir in diesem Beitrag nicht um eine MeToo-Diskussion rund ums Küssen, sondern um das Verhältnis zwischen Zahnarzt und Patient. Dieses ist, wie eben das Küssen, ein überaus sensibles Thema, welches jedoch von den meisten Dentalprofis nicht wirklich bewusst wahrgenommen wird.

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Wie gesagt, es gibt zweifelsohne sozio-kulturelle Unterschiede was die Vertrautheit bei den zwischenmenschlichen Beziehungen angeht. Trotzdem unterscheiden etwa Soziologen oder Verhaltensforscher zwischen unterschiedlichen Räumen, in denen sich ein Mensch bewegt. Diese mögen je nach Gesellschaft etwas weiter oder enger verstanden werden, die eigentliche Unterscheidung ist aber doch allgemein gültig. Jeder Zahnarzt, jeder Dentalprofi sollte diese kennen, daher…

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Als erstes gibt es den „öffentlichen Raum“, in welchem sich ein Mensch inmitten anderer bewegen kann, ohne dass er mit ihnen in Berührung kommt. Diesen öffentlichen Raum erleben wir tagtäglich, obwohl uns dieser gar nicht wirklich bewusst ist. Bis wir in eine überfüllte Strassenbahn einsteigen und ungewollt ganz eng mit wildfremden Menschen zusammenstehen. Viele empfinden dies als unangenehm, denn plötzlich drängen sich da Unbekannte in unseren sogenannten „sozialen Raum“, welchen wir normalerweise nur bewusst und gewollt öffnen. So zum Beispiel wenn ich in einer Trendkneipe ein Bierchen trinken gehe. Beim „persönlichen Raum“ wird’s dann schon – wie es die Bezeichnung schon sagt – etwas persönlicher. In diesem Bewegen sich unsere besten Freunde oder unsere Familienangehörige, hier wird eng beieinander gesessen, umarmt und abgeküsst, ohne dass dies als störend empfunden wird.

Auf was ich jedoch hinaus möchte ist der sogenannte „intimen Raum“, also jene zwischenmenschliche Nähe, die nur meinen vertrautesten Personen vorbehalten ist. Meiner Frau, meinem Sohn, meiner Mamma. Und – und jetzt kommt‘s – meinem Zahnarzt!

Nachfolgende Frage mag etwas ordinär und rüde klingen, ich stelle sie bei meinen Kursen trotzdem gerne: Wer darf mir was in meinen Mund stecken? Antwort: Meine Frau, wenn sie mir einen Kuss – mit Zunge – gibt! Es gibt zig unterschiedliche Kussvarianten, doch ein „french kiss“ ist zweifelsohne die intimste Version!

Genau dieser intime Raum ist das Arbeitsfeld eines jeden Dentalprofis. Ist ja nur logisch, möchte man Zähne flicken muss man in die Mundhöhle rein. Dies ist zweifelsohne auch den Patienten bewusst. Bewusst kommt von Wissen, doch dann ist da noch das Bauchgefühl, das Unbewusste, dass uns Menschen weit stärker beeinflusst als viele zugeben mögen. Gerade in diesem Sinne ist es nicht selbstverständlich, dass ein fremder Mensch in diesen intimen Raum eindringen darf. Hinzu kommt noch die Tatsache, dass der Besuch beim Zahnarzt für 99,9% der Patienten ein „negativ geladene Ausnahmeerscheinung im Alltagsleben“ ist, weshalb viele entsprechend sensibel und dünnhäutig sind.

In diese Sinne gewähren die Patienten ihren Zahnärzten einen wahren Vertrauensvorschuss, der von den meisten in deren Bedeutung nicht wirklich wahrgenommen werden. Entweder, weil ihnen dieser intime Raum nicht bewusst ist, oder auf Grund der Hektik in der Praxis vergessen wird.

Viel wird über die Bedeutung des Vertrauensverhältnisses zwischen Patient und Zahnarzt gesprochen, anfangen tut diese mit dem Bewusstsein dieser Intimsphäre.

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