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Wiederaufbau nach der großen Flut

Vor etwas mehr als einem Jahr stellte das dental JOURNAL drei Zahnärzte vor, deren Praxen von der verheerenden Naturkatastrophe, die Ende Oktober 2024 die spanische Provinz Valencia heimsuchte, zerstört wurden. Wie sieht es heute dort aus?

Fährt man durch Aldaia, Catarroja oder Bentússer, Ortschaften, in denen das Wasser bis über zwei Meter hoch in den Straßen stand, so fallen einem als erstes die vielen fabrikneuen PKWs auf. Tatsächlich weisen diese Vororte südlich der Mittelmetropole Valencia den neusten Fuhrpark des ganzen Landes aus. Kein Wunder, wurden damals über 120‘000 Fahrzeuge zerstört, die mittlerweile ersetzt worden sind. Auch ist das Leben wieder auf die Straßen und Plätze der betroffenen Ortschaften zurückgekehrt, das lokale Kleingewerbe – Coiffeursalons und Optiker, Kioske und Möbelgeschäfte – hat sich ebenfalls vom Schlamm befreit und ihre Aktivitäten wieder aufgenommen. Unter diesen befindet sich auch Marisa Fito mit ihrer Zahnarztpraxis im Zentrum von Catarroja.

Die Wassermassen suchten sich mit wilder Kraft ihren Weg in die Erdgeschosse von Catarroja, so auch in die »Clínica Dental« der Doctora Marisa Fito.

Die Naturkatastrophe als Zäsur

Eine kleine Keramiktafel im Eingang- und Wartebereich erinnert gut sichtbar, bis auf welche Höhe das Wasser an jenem 29. Oktober angestiegen war. Seit elf Jahren empfing die leidenschaftliche Kieferorthopädin an diesem Ort ihre Patienten, die sie zusammen mit externen Spezialisten und ihren Praxisassistentinnen verteilt auf drei Behandlungseinheiten betreute. Schien vor einem Jahr Marisa Fito von den Ereignissen etwas geknickt, so hat die 52-Jährige heute wieder zu jener Energie zurückgefunden, welche sie schon immer ausgezeichnet hat. »Niemand wünscht sich ein Erlebnis wie die Dana (Meteorologisches Phänomen, das für extreme Wetterereignisse wie Starkregen und Stürme verantwortlich ist. (Anmerkung der Redaktion)), aber heute arbeiten wir besser als früher, wobei ich dies auch bei anderen Geschäften in meinem Umfeld feststelle.«, erklärt sie dem dental JOURNAL und ergänzt: »Man nimmt sich immer wieder Dinge vor, die man angehen und erneuern möchte, es aber doch nicht tut, sei es aus Alltagstrott oder aus Bequemlichkeit.« Nach der Naturkatastrophe stand die Zahnärztin vor der Wahl, ihre Praxis aufzugeben und sich anderswo anstellen zu lassen oder von Null auf alles neu aufzubauen. Über die erste Option dachte sie gerade einen halben, etwas trübsinnigen Tag nach, schnell war ihr jedoch klar, dass sie den Stier bei den Hörnern packen und durchstarten wollte. Rund einen Monat brauchte es, um die Zahnarztpraxis vom Schlamm zu befreien und sämtliches Mobiliar zu entsorgen. Behandlungseinheiten, 3D-Röntgengeräte, Sterilisation, Verbrauchsmaterial: alles nur noch wertloser Schrott. »Der ganze Boden musste rausgerissen werden, auch musste die Mauern zuerst trocknen, bevor wir mit der neuen Installation beginnen konnten.« Trotzdem schaffte es Marisa Fito nach zwei weiteren Monaten als eine der ersten in der betroffenen Region ihre Praxis wieder zu eröffnen. Stolz führt sie das dental JOURNAL durch ihre neuen Räumlichkeiten und erklärt, dass sie zu Beginn das frisch angeschaffte Röntgengerät nicht voll nutzen konnten. Es gäbe, so erklärt sie lachend, in ganz Spanien nur zwei Unternehmen, die Schutztüren für solche X-Ray-Räume herstellen würden, und die kamen mit dem Liefern nicht nach.

Kieferorthopädin Dr. Marisa Fito ist nach der Naturkatastrophe, welche ihre Zahnartpraxis völlig zerstört hatte, wieder durchgestartet.

Neuanfang mit verbesserter Patientenkommunikation

Die Gesamtkosten für Bauarbeiten und zahntechnische Gerätschaften beliefen sich auf etwa 300‘000 Euro, wobei nur die Hälfte durch die Versicherung gedeckt war. Die übrigen, selbst zu finanzierenden 150‘000 Euro versteht die Kieferorthopädin als Investition in die Zukunft sowie in eine verbesserte Patientenkommunikation. Die neuen Schulden scheinen Marisa Fito nicht wirklich Sorgen zu bereiten, vielmehr schwärmt sie von den modernen Bildschirmen in den Behandlungsboxen, mit welchen sie ihre Patienten besser beraten und überzeugen kann. »Ich habe sowieso das Gefühl, dass die Bevölkerung nach dem Schock der Katastrophe, die 230 Leben forderte, mehr zu sich schaut und öfter als früher bereit ist, für das eigene Wohlbefinden und in die eigene Gesundheit Geld auszugeben.«, erklärt die Praxisinhaberin gegenüber dem dental JOURNAL.

»Bis hierher reichte das Wasser« und, klein darunter: »Aus dem Schlamm wachsen die höchsten Blumen«. Erinnerung an die Naturkatastrophe vom 29. Oktober 2024 in der valencianischen Regionalsprache.
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