Am 24. und 25. April 2026 lud orangedental in die Universität Witten/Herdecke ein, um ein beeindruckendes Meilenstein-Jubiläum zu feiern: 25 Jahre Firmengeschichte. Unter dem Motto „Workflow together. Innovation erleben. Zukunft gestalten.“ versammelte das Event zahlreiche Experten und Dental-Enthusiasten und bot die Möglichkeit, bis zu 13 Fortbildungspunkte zu sammeln. Das Wochenende überzeugte mit einem extrem praxisnahen Mix aus High-Tech, visionären Konzepten und intensivem Networking. Laut CEO Stefan Kaltenbach waren über 86 Zahnärzte und Zahntechniker angemeldet, die sich das hochkarätig besetzte Event nicht entgehen lassen wollten.
Künstliche Intelligenz: Die smarte „Schwester Agnes“ im Sprechzimmer Eines der bestimmenden Themen war unbestritten die Künstliche Intelligenz. Prof. Dr. Falk Schwendicke gab faszinierende Einblicke, wie KI unseren Praxisalltag umkrempelt. Er erklärte, dass moderne KI-Modelle mit Millionen von Bildern trainiert werden und so das diagnostische Niveau von hochkalibrierten Experten erreichen. Besonders beeindruckend: Während Zahnärzte bei Initialkaries oft jede zweite Läsion übersehen, steigert die KI die Sensitivität auf bis zu 80 %.
Doch nicht nur Bilder, auch Sprache wird revolutioniert: Sogenannte Sprachmodelle können als digitale Assistenz (liebevoll „Schwester Agnes“ genannt) direkt beim Befunden zuhören. Der Behandler muss seine Befunde lediglich laut verbalisieren, und die KI dokumentiert in Sekundenschnelle das komplette „Charting“ inklusive Anamnese, Diagnose und Therapieplan automatisch und strukturiert.
Chairside-Revolution: Fräsen, einsetzen, fertig! Ein weiteres großes Highlight war der fortschreitende Chairside-Workflow. Zahnärztin Valentina Ghallousch stellte das dichtgesinterte Zirkoniumdioxid „Perfit FS“ vor. Das besondere dabei: Da das Material bereits vorgesintert ist, entfällt der zeitraubende Sinterprozess nach dem Fräsen komplett, was einen Sinterofen in diesem Fall überflüssig macht. Trotzdem bietet es eine Biegefestigkeit von 500 MPa und kann minimalinvasiv (z.B. 0,8 mm bei Frontzahnkronen) für Einzelkronen, Inlays, Veneers und bis zu dreigliedrige Brücken eingesetzt werden.
Wie sich diese digitale Fertigung gewinnbringend in den Praxisalltag integrieren lässt, zeigte Dr. Boris Jablonski. Er nutzt die Fräsmaschinen EASY Mill 4 und 5 und fertigt Restaurationen bequem in kleinen Behandlungspausen an. Sein Fazit: Die Maschinen bringen ein enormes Maß an Unabhängigkeit in der Preisgestaltung und bewahren die Praxis vor steigenden Fremdkosten.
PD Dr. Dr. Oliver Schubert knüpfte hier nahtlos an und demonstrierte seine „Münchner Konzepte“ für Implantatversorgungen. Er zeigte, wie das Implantat intraoperativ gescannt wird und Kronen oder Abutments während der Einheilphase passgenau gefräst werden. Ein riesiger Vorteil der EASY Mill: Sie kann die Verbindungsgeometrien für Titanklebebasen hochpräzise direkt in den Perfit-Block fräsen.
Den Blick schärfen: Von der Parodontalsonde bis zum strahlungsfreien MRT Auch die bildgebende und instrumentelle Diagnostik stand im Rampenlicht. Prof. Dr. Ralf Schulze blickte auf 25 Jahre Digitale Volumentomographie (DVT) zurück, die 1998 in die Zahnmedizin eingeführt wurde. Er betonte, wie moderne Flatpanel-Detektoren und gepulste Strahlung die Röntgendosis heute drastisch reduzieren.
Einen visionären Schritt weiter ging PD Dr. Dr. Lars Bonitz, der das weltweit erst dritte dentale MRT vorstellte, welches nun in Dortmund steht. Dieses nur eine Tonne schwere Gerät arbeitet völlig strahlungsfrei. Es eröffnet völlig neue Horizonte in der Schlafmedizin, da es eine dynamische Simulation der Atemwege ermöglicht, um den Kollaps bei obstruktiver Schlafapnoe in Bewegung zu analysieren.
Dass auch die Basisarbeit revolutioniert werden muss, bewies Prof. Dr. Nicole Arweiler. Sie warnte vor der auf 66 % gestiegenen Parodontitis-Prävalenz. Da die Erkrankung oft schmerzlos verläuft, ist eine exakte Diagnostik essenziell. Sie demonstrierte die elektronische Parodontalsonde pa-on, die mit einem konstant druckkalibrierten Widerstand von 20 Gramm (0,2 Newton) misst. Das macht die Untersuchung für den Patienten deutlich schmerzärmer, liefert standardisierte Werte und automatisiert die komplette Taschentiefen-Dokumentation.
Dr. Frank Emde gab ein Update zum ergonomischen Sehen mit ergo-on und zeigte erstmals den Prototypen Zeus auf den auch anschließend orangedental CEO Stefan Kaltenbach einging. Er kündigte das kopfgetragene Mikroskop „Zeus“ als echte Innovation und absolute Weltpremiere an. Das Gerät ist kabellos, bietet eine hochauflösende Stereo-Sicht und ist mit einem Gewicht von 800 Gramm sowie einem austauschbaren Akku perfekt auf dem Kopf ausbalanciert. Ein massiver Vorteil im Sterilbereich: Das Mikroskop ist komplett sprachgesteuert. Behandler müssen während Eingriffen, wie beispielsweise Endodontie-Behandlungen, nichts mehr berühren und können Bilder direkt per Sprachbefehl in der hauseigenen Software byzz abspeichern.
Das universelle Lupenbrillen- und Magnetflex-System Ebenfalls im Fokus steht die Weiterentwicklung der Lupenbrillen, konkret das Modell „opt-on“, das durch eine abgeflachte Bauweise und eine verbesserte Serienqualität besticht und ein ergonomisches Geradeausschauen ermöglicht. Ein zentraler Innovationsbaustein ist das neue „Magnetflex“-System, das mit allen bisherigen rund 12.000 auf dem Markt befindlichen orangedental-Lupenbrillen kompatibel ist und somit eine 15-jährige Systemkontinuität sichert.
Neues, patentiertes Messsystem Um eine perfekte Ergonomie und Passform zu garantieren, hat orangedental zudem ein brandneues Messsystem patentieren lassen. Dieses System soll den Pupillenabstand zur Nasenstütze um den Faktor 2,5 präziser berechnen als bisherige Verfahren, was besonders bei Brillen mit hohen Vergrößerungen von entscheidender Bedeutung ist.
Zukunftsvision und Catwalk Kaltenbach gab zudem einen Ausblick auf die weitere Digitalisierung: Bis 2027 soll die Sprachsteuerung der Systeme durch die Einbindung von „Large Language Models“ (KI-Sprachmodellen) nochmals deutlich erweitert werden. Die optischen Highlights des Abends wurden schließlich passend zum Slogan „LOOK GOOD“ im Rahmen des weltweit ersten „Dental-Loupes Catwalks“ präsentiert.
Wenn Lupenbrillen den Laufsteg erobern Was wäre ein Vierteljahrhundert-Jubiläum ohne eine ordentliche Party?
Das abendliche Get-together am Freitag bot ein Event-Highlight der ganz besonderen Art: den „World’s 1st Dental-Loupes Catwalk“. Eine Weltpremiere, die für ordentlich Stimmung sorgte und bewies, dass Ergonomie und Optik in der modernen Zahnmedizin durchaus laufstegtauglich sind.
Der Vortrag von Dr. Mario Kern (Zahnarzt, Implantologe, Parodontologe und Ingenieur) beleuchtet die gravierenden biologischen Probleme von Kunststoffen in der Implantatprothetik und präsentiert mit dem von ihm entwickelten EAP-Abutment eine innovative Lösung für den Praxisalltag.
Die toxische Gefahr von Kunststoffen und Restmonomeren: Kern stellt die provokante These auf, dass die Zahnmedizin bei der Prothetik aktuell auf dem „Holzweg“ sei, da die unverzichtbaren dentalen Kleber und Kunststoffe hohe Risiken bergen. Das Hauptproblem sind die Monomere: Da diese Kunststoffe beim Aushärten einen Restmonomer-Anteil von 30 bis 60 % aufweisen, verbleiben hochaktive chemische Strukturen im Mund. Diese können an die DNA andocken und haben eine DNA-schädigende Wirkung. Kern warnt eindringlich vor systemischen Risiken und verweist auf Studien, die beispielsweise einen signifikanten Zusammenhang zwischen Restmonomeren und einem erhöhten Frühgeburtenrisiko belegen. Er verdeutlicht dies mit einem Vergleich: Da der Sulkus (die Zahnfleischfurche) ein extrem kleiner Raum von etwa 11 Mikrolitern ist, wirkt dort schon eine winzige Menge Kleber so toxisch wie ein Güllewagen in einem Schwimmbecken.
Zellsterben an der Klebefuge: Kern untermauert seine Aussagen mit einer eigenen Studie aus dem Jahr 2008, für die 160 elektronenmikroskopische Aufnahmen gemacht wurden. Die Bilder zeigen, dass Gewebezellen zwar hervorragend an das Abutment heranwachsen, an der Grenze zum Kleber jedoch abrupt stoppen und absterben – Kern bezeichnet diesen Bereich an der Klebefuge als absolute „Wüste“. Es bilden sich durchgehend Entzündungszellen und die Verbindungen können sich lösen.
Seine Lösung: Das EAP-Abutment Als Konsequenz aus diesen Problemen hat Kern das EAP-Abutment erfunden, eine modifizierte Titanbasis. Die Grundidee besteht darin, den Kontaktbereich zum Weichgewebe ausschließlich aus unbehandeltem Titan zu gestalten, da sich die Zellen an diesem Material (im Gegensatz zu extrem „rutschiger“ Keramik) exzellent anlagern. Gleichzeitig wird die Klebefuge maximal nach koronal (nach oben in Richtung Krone) verschoben, sodass sie keinen Kontakt mehr zum empfindlichen Gewebe hat.
Unser Fazit: orangedental hat mit diesem fachlich dichten Kongress eindrucksvoll gezeigt, dass sie nach 25 Jahren nicht nur Firmengeschichte geschrieben haben, sondern auch weiterhin maßgeblich die digitale Zukunft der Zahnmedizin mitgestalten. Wir sind gespannt, was die nächsten 25 Jahre bringen!
























































