StartAllgemeinWarum Coaching mehr bewirkt als klassische Beratung –
und was Zahnarztpraxen wirklich brauchen

Warum Coaching mehr bewirkt als klassische Beratung –
und was Zahnarztpraxen wirklich brauchen

Über den Mut zur Veränderung, die Kraft von Wertschätzung – und warum gute Zahnmedizin auch gute Führung braucht.

Niki, viele Zahnärzte sehen sich primär als Mediziner, merken aber schnell, dass sie plötzlich auch Unternehmer, Personalleiter und Psychologe sein müssen. Warum bezeichnest du dich bewusst als Dentalmentorin und nicht als klassische Unternehmensberaterin?

Genau an diesem Punkt setzt meine Arbeit an – dort, wo klassische Beratung endet. Eine herkömmliche Unternehmensberatung liefert Konzepte, Analysen und Strategien von außen. Das hat seine Berechtigung, aber in einer Zahnarztpraxis reicht das oft nicht aus. Meine spezialisierte Perspektive als Dentalmentorin ermöglicht es mir, die Entwicklung der Ordination von innen heraus zu begleiten. Coaching verändert das Verhalten der Menschen, stärkt ihre Haltung, ihr Verantwortungsbewusstsein und die gesamte Teamperformance. Wenn sowohl die Führung als auch die Mitarbeiter persönlich reifen und die Rollenverteilung klar definiert ist, kann der Zahnarzt endlich delegieren – und hat wieder die Zeit und den Kopf frei, sich um das zu kümmern, wofür er eigentlich ausgebildet wurde: seine Patienten.

Was genau ist der „Nike-Faktor“, den du in eine festgefahrene Praxisstruktur bringst?

Der Nike-Faktor steht für einen ganz bewussten Perspektivenwechsel – einen neuen Zugang, der mit mehr Leichtigkeit verbunden ist. In vielen Praxen herrschen tief verankerte Glaubenssätze: „Das war schon immer so“, „Dafür haben wir jetzt keine Zeit“ oder „Veränderung ist hier ohnehin nicht erwünscht.“ Diese Sätze klingen harmlos, sind aber oft die eigentlichen Ursachen für festgefahrene Strukturen. Dahinter stecken Hierarchien, Gewohnheiten, chronischer Zeitmangel und vor allem die Angst vor Veränderung. Meine Aufgabe ist es, diese Muster sichtbar zu machen und zu durchbrechen – damit Klarheit entsteht und neue, funktionierende Prozesse implementiert werden können.

Auf deiner Website sprichst du viel über das Zusammenspiel von Team-Dynamik und wirtschaftlichem Erfolg. Wo liegt in den meisten Praxen der „blinde Fleck“, wenn es um die Mitarbeiterzufriedenheit geht?

Mitarbeiterzufriedenheit wird in vielen Praxen zwar häufig thematisiert, aber selten wirklich verstanden. Der blinde Fleck liegt darin, dass Zufriedenheit für jeden Mitarbeiter etwas völlig anderes bedeutet. Es gibt ganz unterschiedliche, individuell wahrgenommene Dimensionen – angefangen bei der Führungsstruktur und dem Teamklima über Entwicklungs- und Weiterbildungsmöglichkeiten bis hin zur Sinnhaftigkeit der Aufgaben, der Arbeitsbelastung und der internen Kommunikation. Das Schlüsselthema, das meiner Erfahrung nach am meisten unterschätzt wird, ist die Wertschätzung. Wer in einer Zahnarztpraxis arbeitet, übt einen äußerst verantwortungsvollen und körperlich wie emotional anstrengenden Beruf aus. Diese Leistung anzuerkennen, ist kein „Nice-to-have“, sondern eine Grundvoraussetzung für langfristige Mitarbeiterbindung.

Mentoring impliziert eine sehr persönliche Begleitung. Wie sieht ein typischer Moment in deiner Arbeit aus, in dem bei einem Praxisinhaber der sprichwörtliche Knoten platzt?

Ein großer Vorteil im Coaching ist die unbelastete Möglichkeit, viele Dinge offen anzusprechen, die sonst einer hierarchischen Struktur untergeordnet sind. In der Praxis traut sich niemand, dem Chef zu sagen, was wirklich schiefläuft. Im Coaching-Setting ändert sich das. Der entscheidende Moment ist oft der, in dem dem Praxisinhaber klar wird: Es liegt kein persönliches Versagen vor. Von Experten der Zahnmedizin wird schlicht nicht vorausgesetzt, dass sie eine Leadership-Ausbildung haben. Das ist eine enorme Erleichterung. Aber die eigentliche Frage, ob aus dieser Erkenntnis auch echte Veränderung wird, entscheidet sich an einem einzigen Punkt: Ob der Dienstgeber bereit ist, die Opferrolle zu verlassen und aktiv Verantwortung für die Weiterentwicklung zu übernehmen.

Der Fachkräftemangel ist in der Dentalbranche das Thema Nummer eins. Welche Rolle spielt das „Praxis-Branding“ heute, um nicht nur Patienten, sondern vor allem die richtigen Teammitglieder anzuziehen?

Die Antwort lässt sich in drei Worten zusammenfassen: Klarheit, Authentizität und Kultur. Um die richtigen Mitarbeiter zu finden und langfristig zu halten, muss eine Praxis klar definieren, wie geführt und gearbeitet wird, was erwartet wird und wie viel Eigeninitiative erwünscht ist. Das klingt simpel, wird aber in der Realität erstaunlich selten konsequent umgesetzt. Je klarer sich eine Ordination nach außen und nach innen positioniert, desto gezielter werden auch die Bewerbungen sein. Menschen suchen heute nicht nur einen Job – sie suchen einen Ort, an dem sie sich mit den Werten und der Arbeitsweise identifizieren können.

Patientenkommunikation ist mehr als nur das Erklären von Befunden. Wie bringst du Praxisteams bei, medizinische Notwendigkeit so zu kommunizieren, dass der Patient sich verstanden fühlt und gerne „Ja“ zur Behandlung sagt?

Hier geht es ganz klar darum, Vertrauen aufzubauen und die Bindung zum Patienten zu stärken. Man muss sich vor Augen halten: Patienten kommen häufig mit Angst in die Praxis, haben wenig bis kein Fachwissen und fürchten sich vor hohen Kosten. Das ist eine emotional aufgeladene Situation. Ein gut geschultes Team kann durch klare Kommunikation, eine einheitliche Haltung und abgestimmte Botschaften empathisch erklären, worum es bei der Behandlung geht – ohne Druck aufzubauen. Die Entscheidung bleibt immer beim Patienten. Aber wenn er sich verstanden und gut aufgehoben fühlt, wird er diese Entscheidung viel eher mit Überzeugung treffen.

Digitalisierung vs. Empathie: Wie viel Technik braucht eine moderne Praxis – und wie viel „Mensch“ muss am Ende übrig bleiben?

Digitalisierung ist in der Zahnarztpraxis heute schlicht unumgänglich. Gerade in Bereichen wie Terminmanagement, Dokumentation oder der Erfassung von Hygieneketten schafft ein hoher technischer Standard enorme Effizienzgewinne. Manche Prozesse müssen digital organisiert sein, um überhaupt zeitgemäß arbeiten zu können. Dennoch bin ich überzeugt: Eine Ordination muss menschlich geführt werden. Technik kann vieles erleichtern, aber Empathie lässt sich nicht automatisieren. Sie ist es, die die Bindung zum Patienten stärkt und eine Praxis von innen heraus lebendig hält. Im besten Fall nutzt man beides gleichzeitig – Technologie für die Effizienz und Menschlichkeit für die Beziehung.

Was ist die erste Sofort-Maßnahme, die du einer Praxis empfiehlst, die zwar medizinisch top ist, aber bei der die Stimmung im Team am Boden liegt?

Das Zauberwort heißt „Interessenseinigkeit“. Wenn alle Mitarbeiter dieselben Interessen vertreten und an einem Strang ziehen, passiert etwas Bemerkenswertes: Druck weicht der Motivation, Kontrolle weicht der Selbstorganisation und Misstrauen weicht dem Vertrauen. Plötzlich wird mit Kopf, Herz und echtem Verantwortungsbewusstsein miteinander gearbeitet. Das klingt nach einem hohen Ideal, aber es ist in der Praxis absolut erreichbar – wenn man bereit ist, diesen gemeinsamen Nenner bewusst zu erarbeiten.

Viele Praxen haben Angst vor Veränderung. Wie nimmst du das Team mit, damit deine Konzepte nicht als „Anweisung von oben“, sondern als gemeinsame Chance wahrgenommen werden?

Man muss der Angst und dem Widerstand aktiv begegnen – und gleichzeitig Neugier und Offenheit wecken. Der entscheidende Hebel liegt in der Kommunikation: Je klarer vermittelt wird, dass hier etwas „für uns“ passiert und nicht „mit uns“ oder „gegen uns“, desto offener wird das Team das Angebot annehmen. Warum ist ein Veränderungsprozess so häufig mit Angst besetzt? Weil der Weg, wohin es gehen soll, meist nicht klar vorgegeben ist. Menschen haben keine Angst vor Veränderung an sich – sie haben Angst vor dem Unbekannten. Deshalb ist Transparenz in diesem Prozess nicht optional, sondern ein absolutes Muss.

Wenn wir drei Jahre in die Zukunft schauen: Wie wird sich die Rolle des Zahnarztes verändern – und wie bereitest du deine Mentees heute schon darauf vor?

Ich bin überzeugt, dass der Trend weg von der alleinigen Praxis des Zahnarztes geht. Gemeinschaftspraxen werden sich zunehmend durchsetzen, weil sie handfeste Vorteile bieten – von der finanziellen Tragbarkeit über ein besseres Zeitmanagement bis hin zur Work-Life-Balance, die für die jüngere Generation ein immer zentraleres Thema ist. Das bedeutet aber auch, dass sich die Rolle des Zahnarztes signifikant verändern wird. Es wird nicht mehr nur um medizinische Exzellenz gehen, sondern zunehmend um Führungskompetenz, Koordination und Moderation. Ein Aspekt, der mir dabei besonders am Herzen liegt: Heute sind über 60 Prozent der Zahnärzte Frauen. Das verändert die Branche grundlegend. Fragen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie müssen genauso beantwortet werden wie die Frage, wie Frauen ihre Rolle als Ärztin leben und gestalten möchten. Coaching bietet hier eine strategische Gestaltungsmöglichkeit, um sich aktiv an diesem Paradigmenwechsel zu beteiligen – statt ihm nur zuzusehen.

www.nikecom.at

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