Freitag, Februar 23, 2024
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Lichtlösungen in der Zahnarztpraxis

Kaum ein Bereich erfordert solch einfühlsame Lichtlösungen wie der Gesundheitsbereich – gilt es doch hier für die verschiedensten Anforderungen optimale Bedingungen zu schaffen: Menschen, die zur medizinischen Behandlung kommen und ärztliches Fachpersonal benötigen unterschiedliche Lichtsituationen. Die Zahnärztin, der Zahnarzt und das medizinische Fachpersonal müssen vor allem entspannt und zugleich konzentriert arbeiten können. Für die Patienten wird eine Wohlfühlatmosphäre angestrebt. Die Beleuchtung muss somit den Anforderungen und Bedürfnissen unterschiedlicher Zielgruppen gerecht werden.

Gastbeitrag von Dipl.-Ing. Gudrun Schach, Lichtplanerin und Architektin

Der erste Eindruck ist wichtig, dieser entsteht schon beim Betreten der Praxis durch die Möblierung und das eingesetzte Licht. Abgesehen von der Beleuchtung, die an den Bildschirmarbeitsplätzen vor allem blendfrei die Erfassung der Besuchenden, die Koordination der Termine, aber auch das Gespräch mit den zu behandelnden Personen unterstützt, schafft Licht eine gewisse Atmosphäre. Diese sollte am Empfang freundlich, offen und einladend sein.

Was kann das Licht tun?
Die Lichtlösung kann unterschiedlich sein, abhängig von der Innenraumgestaltung. Technisch muss das eingesetzte Licht Beleuchtungsstärken von 500 lx am Arbeitsplatz gewährleisten, eine gute Farbwiedergabe besitzen (min. 80 Ra) blendfrei sein und ein schattenfreies Arbeiten ermöglichen. Die Wahl der Lichtfarbe orientiert sich ebenso an den Oberflächen und an den Ordinationszeiten. Das weiße Licht, das man für die Sehaufgaben benötigt, teilt sich in mehrere Lichtfarben auf, optimalerweise kann auch diese verändert werden, von warmweiß bis tageslichtweiß.

Am Vormittag lässt neutralweißes kühleres Licht den Raum angenehm hell erscheinen. Frisch, aktiv und hygienisch sauber. Die Beleuchtungsstärken dürfen nicht allzu hoch sein, damit der Wohlfühlfaktor bestehen bleibt. Der Patient braucht auch gutes Licht im Wartebereich zum Lesen, egal ob analog oder digital. Ziel ist es, sich trotz gleichmäßigem Licht nicht exponiert zu fühlen. Je nach Innenraumgestaltung und Möblierung können auch verschiedene Zonen angeboten werden. Helle, gleichmäßig ausgeleuchtete Leseecken, aber auch Raumbereiche, die zum kurzen Entspannen einladen. Die Helligkeitsunterschiede dürfen jedoch nicht zu groß sein, damit nicht das Gefühl entsteht, aus der scheinbaren Finsternis ins helle, grelle Behandlungszimmer zu treten. Bei spät abendlichen Terminen wird in Anlehnung an das Tageslicht und unseren circadianen Rhythmus ein weitaus wärmeres Licht (warmweiß) empfohlen, welches mittels einer möglichst einfach zu bedienenden Lichtsteuerung gewählt werden kann.

Dipl.-Ing. Gudrun Schach, Lichtplanerin und Architektin, im Marketing bei Zumtobel in Wien tätig, lehrt Licht an der TU Wien, am FH Campus Wien sowie an der BOKU. Sie ist zudem stellvertretende Vorsitzende der Österreichischen Lichttechnischen Gesellschaft.

Anforderungen an die Beleuchtung
Betritt ein Patient das Behandlungszimmer, gelten ab sofort zwei Anforderungen: Gutes Licht muss ergonomisches, präzises und ermüdungsfreies Arbeiten unterstützen und gleichzeitig zum Wohlbefinden beitragen. Der Anspruch an die Farbwiedergabequalität der Beleuchtung ist sehr hoch. Die EN 12464-1 gibt vor zahnärztliche Behandlungsräume im Patientenbereich mit einer mittleren Beleuchtungsstärke Em von 1.000 lx, einer erhöhten Gleichmäßigkeit Uo von 0,7 und einem Farbwiedergabeindex CRI von mind. 90 Ra auszustatten. Nach der Überarbeitung der Norm 2021 ist noch eine Modifizierung (Steigerung) der Lichtmenge möglich. Zum Beispiel, wenn die Sehaufgabe als kritisch für den Arbeitsablauf eingestuft wird oder wenn Genauigkeit und erhöhte Konzentration von großer Bedeutung sind, beziehungsweise die Aufgabendetails ungewöhnlich klein oder kontrastarm sind, auch wenn der Bereich der Tätigkeit über wenig Tageslicht verfügt, aber auch wenn die Sehfähigkeit der Arbeitnehmerin und Arbeitnehmer unter dem üblichen Sehvermögen liegt. Vieles trifft davon auf den zahnärztlichen Behandlungsbereich zu. Die Allgemeinbeleuchtung kann dann von 500 auf 750 lx und im Patientenbereich von 1.000 auf 1.500 lx erhöht werden. Ein Tipp, wenn Sie sich dafür entscheiden, wählen Sie immer eine dimmbare Lösung, um das viele Licht gegebenenfalls und situationsbedingt dimmen, reduzieren und an Ihre individuellen Bedürfnisse anpassen zu können.

Licht-Eigenheiten in der Zahnarztpraxis
Um auch die kleinsten Farbunterschiede von Zähnen erkennen zu können, ist die Farbwiedergabe der entscheidende Faktor. Gleichzeitig ist eine hohe Gleichmäßigkeit der Beleuchtung wichtig. Helligkeitsunterschiede, die durch eine ungleichmäßige Beleuchtung entstehen, müssen vom Auge durch häufige Adaption ausgeglichen werden und belasten das Gehirn unnötig. Die seitliche Anordnung der Leuchten im Behandlungsbereich wird empfohlen. Zu beachten ist immer, dass in der Sitzposition, während die Patientin und der Patient mit dem ärztlichen Fachpersonal die Behandlung bespricht, sich die Position des Kopfes in einer anderen Position befindet, als dies dann bei der Zahnbehandlung der Fall ist. Das sollte mit dimmbaren Szenen beim Gespräch berücksichtigt werden, bei der Behandlung wird hochgedimmt oder erst eingeschalten, um so schattenfrei und gleichmäßig auszuleuchten wie möglich. Zusätzlich steht den Ärzten die Behandlungsleuchte zur Verfügung, die mit einem hohen Lumenpaket Beleuchtungsstärken um die 8000 lx in der Mundhöhle gewährleistet. Auch hier spielt die spektrale Verteilung des Lichts eine wichtige Rolle, um den Farbabgleich durchführen zu können. Enthält das Licht viele rote und orangefarbene Anteile, wirken die Zähne sehr gelb. Ein hoher Blauanteil im Licht führt wiederum zu schnellerem Aushärten von Komposit Füllungen. Die fokussierte Beleuchtung muss es ermöglichen, Strukturen und Gewebsveränderung zu entdecken, aber sie darf nicht zu hoch sein, damit die Sicht nicht durch Reflexionen gestört wird.

Der Blick der zu behandelnden Personen geht nach oben an die Decke. Der Einblick in frei liegende LED-Platinen und -Linsen ist zu vermeiden. Geeignet sind Leuchten mit einer Mikropyramidenoptik, da durch kontrollierte Brechung und Lenkung kontrastreiches Licht ohne Multischatten erzeugt wird. Eine ideale Lichtlösung für die Zahnarztpraxis, in 4000 K Farbtemperatur, neutralweiß. Wichtig ist es auch die hygienischen Anforderungen zu berücksichtigen, ein geschlossener glatter Leuchtenkorpus mit innen liegenden optisch wirksamen Prismen, kann einfach mit einem Mikrofasertuch gereinigt werden. Leuchten, die mit schallabsorbierenden Oberflächen zur Raumakustik beitragen, sind ebenso empfehlenswert, sie reduzieren die Nachhallzeit und die so optimierte Sprachverständlichkeit unterstützt das gegenseitige Verständnis von Ärzten und Patienten.
Da oftmals gut eingeführte Praxen ihre Räumlichkeiten im Bestand erneuern wollen, ist neben dem optimalen Lichtmanagement für den Neubau, bei welchem die Verkabelung der Steuerleitungen berücksichtigt wird, auch eine möglichst einfache und gute Sanierungslösung notwendig. Lichtveränderung mittels einer Wireless-Lichtsteuerung, bestehend aus Leuchten mit einer Funkschnittstelle und der Bedienung mittels einer App. Das Einzige, das benötigt wird, ist Strom für die Leuchten, keine extra Steuerleitung oder Verkabelung.

Gutes Licht bedeutet einfach nicht nur eine schöne Leuchte zu haben. Gutes Licht meint nicht nur mit langlebigen LEDs Energie zu sparen. Gutes Licht kann vielmehr, es gilt, mehrere Lichtquellen miteinander zu kombinieren und intelligent einzusetzen. Dazu gehören vor allem das Tageslicht, die Behandlungsleuchte, manchmal auch eine LED-Lupenbrille und vor allem Deckenleuchten, welche mit innovativer Technologie das Licht intelligent lenken, um das beste Licht für den Menschen zur richtigen Zeit am richtigen Ort zur Verfügung zu stellen.

www.zumtobel.com

 

Daniel Izquierdo-Hänni
Daniel Izquierdo-Hänni
Der Schweizer Marketing- und Kommunikationsprofi Daniel Izquierdo-Hänni ist seit Beginn seiner beruflichen Laufbahn auch journalistisch tätig, die Dentalbranche kennt er seit über fünfzehn Jahren bestens. Unter anderem gibt er seit über zehn Jahren Kurse zu den Themen Praxismarketing und Patientenkommunikation in der Zahnmedizin. Als Autor beim Dental Journal kann er seine beiden Kompetenzfelder ideal miteinander verbinden. Privat und beruflich pendelt er zwischen seiner ehemaligen Heimatstadt Basel und seinem Wohnort Valencia/Spanien hin und her.
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