Nicht ohne Stolz eröffnete Univ. Prof. Dr. Karl Glockner die Jubiläumsveranstaltung Mitte Januar in Schladming. Seit 2001 kamen mehr als 1.800 Besucher, 50 Vortragende und 50 Firmen zu dieser Veranstaltungsreihe im Sporthotel Royer. Einer Veranstaltung, die über all die Jahre konstant hohe Besucherzahlen aufweisen konnte. Zum Jubiläum stiegen die Anmeldungen auf 190 Teilnehmer, wovon über 80 zum ersten Mal mit dabei waren. Das Symposium eröffnete Endospezialist Dr. Ralf Schlichtung aus Passau mit zahlreichen praktischen Tipps. Entscheidend für den Endotherapieerfolg ist für ihn die Zugangskavität. Mit einem „Straight Line Access“ wird schon der Grundstein für den dauerhaften Erfolg gelegt. Die weitere konische Kanalaufbereitung erfolgt idealerweise mittels Gates Bohrer. Für die exakte Kanalaufbereitung nutzt er mit gutem Erfolg Ultraschallfeilen. Die exakte Handhabung zeigte er ausführlich in seinem ausgebuchten Workshop. Dennoch betonte er wiederholt die Notwendigkeit guter Sicht, die meist nur unter Zuhilfenahme von Lupenbrillen oder besser Mikroskopen erreicht werden kann. Ganz besonders bei obliterierten Kanalsystemen.

Endodontie muss Spaß machen
Sein Credo: Endodontie muss Spaß machen, um herausragende Ergebnisse zu erzielen. Wem sie keinen Spass macht, der sollte idealerweise überweisen und sich verstärkt seinen eigenen Schwerpunkten widmen.

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Univ. Prof. Dr. Adrian Lussi aus Bern setzte auf den Dauerbrenner Zahnsensibilität und wie man die verschiedensten Ausprägungen behandeln kann. Zahnhalssensibiliät: Wissenswert war, dass Studien zeigen, dass Küretten messbar mehr Zahnzement abtragen als Pulverstrahlgeräte mit Glycerinpulver und diese somit helfen können, Zahnsensibilitäten zu vermeiden. Gegen Zahnhalssensibiliät können Arginin und Kalziumkarbonat helfen, die z.B. in Produkten wie etwa Elmex sensitiv enthalten sind. Zinnfluorid funktioniert ebenfalls und ist u.a. in Sensodyne Rapid enthalten. Somit hilft bei Zahnhalssensibilitäten oft ein dauerhafter Wechsel zu einer geeigneten Zahnpasta. Diese Homecareprodukte helfen zwar nicht unmittelbar, sondern brauchen gewisse Zeit, um ihre Wirkung voll zu entfalten. Die Nupro Prophylaxepaste von NovaMin oder auch Tooth Mousse von GC dagegen verschließen die Tubuli. Dadurch setzt eine Wirkung unmittelbar ein, die allerdings wiederholt werden muss. Zahnsensibilitäten aufgrund grosser Läsionen können die Produkte allerdings nicht ersetzen. Bei postoperativen Zahnsensibilitäten sollte nach Möglichkeit kürzer geätzt werden. (adrian.lussi@zmk.unibe.ch)
Beeindruckend war der Vortrag von Dr. Martin von Sontagh aus Hard. Durch die steigende Lebenserwartung werden Zähne immer älter. Daher legt er besonderes Augenmerk auf minimalinvasive Versorgungen mit Komposit – möglichst ohne Präparation, um den Lebenszyklus des Zahns möglichst weit heraus zu zögern. Dr. Sontagh zeigte, dass selbst in aussichtslos erscheinenden Fällen, wie z.B. abgebrochenen Stiftzähnen eine direkte Restauration mittels Komposit eine implantologische Versorgung herauszögern, wenn nicht sogar ersetzen kann. Damit ist Komposit bei größeren Versorgungen im Hinblick auf die Verlängerung der Lebensdauer des Zahnes durch die minimalinvasive Arbeitsweise bei gleichzeitig hoher Ästhetik ein oft unterschätztes Material. Später auftretende Frakturen oder Abplatzungen können problemlos repariert werden. Seine eigenen Kurse können jedem Zahnarzt, der alles aus Komposit herausholen möchte, nur ans Herz gelegt werden.

Am Nachmittag folgte der Vortrag von Univ.-Prof Dr. Reinhard Hickel „Restaurationen – alles Neue wirklich besser?“ Er beschäftigte sich mit neueren Produkten wie Bulkfill-Kompositen und Glasionomeren als Ersatz für Amalgamfüllungen. Sein Fazit: Bulkfill Komposite können bedenkenlos verwendet werden, bei niedrigen Viskositäten ist eine Komposit Deckschicht empfehlenswert, um ausreichend hohe Abrasionswerte zu bekommen. Entscheidend ist die richtige Polymerisation mit einer geeigneten Lampe: Wichtig ist ein grosses Austrittsfenster mit hoher, homogener Leistung über die gesamte Fläche. Hier lohnt sich speziell bei LED Lampen ein ausführlicher Vergleich vor dem Kauf. Seine Empfehlung: Finger weg von Billigprodukten und unbedingt Lichtbildprofile (beam Profile) und Leistung vergleichen.
Der Abend stand im Zeichen des mittlerweile legendären Rodelevents. Das von Henry Schein gesponserte Come-Together auf dem Hochwurzen mit einem kleinen Glühweinabstecher an der Seiterhüttte sorgte für heiße Stimmung und gute Gespräche. Tags darauf zeigte Dr. Carmen Anding dutzende Fälle, wie sich tief zerstörte Seitenzähne minimalinvasiv und trotzdem ästhetisch versorgen lassen. Selbst für multiple Kronen-Wurzel-Frakturen zeigte sie praxisnahe und machbare Lösungen. Besonders eindrucksvoll war die Wiederherstellung eines bis in die Furkation gespaltenen Molaren, der vier Jahre später noch in situ war. Im Workshop „Raffinierte Kompositkorrekturen“ ging sie detaillierter auf die unterschiedlichen Möglichkeiten ein. Prädikat: Absolut sehenswert!
Die letzten beiden Vorträge von Dr. Michael Wicht und Prof. Dr. Johannes Einwag beschäftigten sich mit neueren Erkenntnissen der Karieslogie bzw. Prophylaxe 2020. Ein idealer Kontrapunkt zu den vorher vielfach gezeigten Möglichkeiten, die Komposit heute bietet.
Fazit: Im 10. Jahr bleibt das Interesse an der Fortbildung in Schladming ungebrochen. Prof. Dr. Karl Glockner und Clemens Keil haben zum Jubiläum neue herausragende Referenten aufgeboten. Die mehr als 190 Teilnehmer, davon 80 zum ersten Mal dabei, beweisen, dass das Thema Zahnerhaltung mehr denn je im Fokus steht.

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