DDr. Dadbeh Dehchamani ist Mund-Kiefer-Gesichts-Chirurg, Implantologe und Inhaber einer Landordination, die mit drei Intraoralscannern, drei EMS-Geräten und einer eigenen Prophylaxe-Abteilung so manchen Stadtpraxen die Stirn bietet. Im Gespräch mit dem dental JOURNAL erklärt er, warum er Patienten ablehnt, warum Prophylaxe sein Fundament ist – und warum es für erfolgreiche Zahnmedizin keinen Ballungsraum braucht.

Herr Dr. Dehchamani, Sie wollten anfangs Mund-Kiefer-Gesichts-Chirurg werden, betreiben aber heute eine eigene Zahnarztpraxis. Wie kam es dazu?
In Österreich führt der Weg in die MKG-Chirurgie über beide Ausbildungen: Human- und Zahnmedizin. Für mich war die Zahnmedizin anfangs eher ein notwendiger Schritt. Im Laufe der Zeit habe ich jedoch eine große Leidenschaft dafür entwickelt. Rückblickend war es genau der richtige Weg, weil ich heute beide Perspektiven in meiner Arbeit vereinen kann.
Was ist heute der Kern Ihrer Praxis?
Der Fokus liegt klar auf umfassenden Rehabilitationen. Wir betrachten den Patienten nicht isoliert über einzelne Zähne, sondern im Gesamtzusammenhang – funktionell, ästhetisch und parodontal. Es kommt durchaus vor, dass Patienten mit dem Wunsch nach einer einzelnen Maßnahme zu uns kommen. In solchen Fällen analysieren wir das Gesamtsystem und besprechen gemeinsam, welche Lösung langfristig sinnvoll ist. Unser Anspruch ist es, stabile und nachhaltige Ergebnisse zu erreichen – und dafür braucht es manchmal mehr als eine isolierte Therapie.
Das bedeutet für die Patienten auch einen längeren Behandlungsweg?
Ja, das kann so sein – und das kommunizieren wir sehr offen. Ein zentraler Punkt ist dabei die Ausgangssituation: Ohne stabile hygienische Verhältnisse ist jede weiterführende Therapie langfristig gefährdet. Deshalb beginnt bei uns jede umfassende Behandlung mit einer strukturierten Prophylaxephase. Wenn Patienten den Zusammenhang verstehen, ist die Bereitschaft dafür in der Regel sehr hoch.
Prophylaxe als Fundament – wie haben Sie das organisatorisch in der Praxis umgesetzt?
Wir haben einen eigenen Prophylaxe-Bereich mit spezialisierten Mitarbeiterinnen und bewusst auch eine räumliche Trennung vom restlichen Praxisbetrieb geschaffen. Das schafft eine ruhigere Atmosphäre, mehr Fokus auf Prävention und ein insgesamt positiveres Erlebnis für die Patienten. Unser Ziel ist es, Prophylaxe nicht als Pflichttermin zu vermitteln, sondern als Wohlfühlerlebnis mit einem strahlenden Lächeln als Endergebnis.
Sie arbeiten mit Guided Biofilm Therapy – wie sind Sie dazu gekommen?
Ich habe das Konzept auf einem Kongress kennengelernt und sofort gewusst: Das kaufe ich. Die Resonanz war so gut- sowohl bei meinen Paro-Assistentinnen als auch bei den Patienten-dass ich kurz darauf ein zweites Gerät angeschafft habe. Heute haben wir sogar drei. Eines davon steht im Behandlungsbereich als Backup, damit kein Patient ohne EMS-Versorgung bleibt. Die Qualitätssicherung erfolgt durch regelmäßige Fort- und Weiterbildung unserer Prophylaxeassistentinnen durch EMS.
Wie reagieren Patienten, die schlechte Erfahrungen mit Prophylaxe gemacht haben?
Viele kommen zunächst mit einer gewissen Skepsis. Wenn sie dann erleben, dass moderne Prophylaxe deutlich angenehmer und effektiver abläuft, verändert sich diese Haltung oft sehr schnell. Und diese Energie kommt zurück, das motiviert das ganze Team.
Wirtschaftlich betrachtet – lohnt sich dieser Aufwand?
Unsere Erfahrung zeigt, dass sich der wirtschaftliche Erfolg vor allem über die Erhaltung der eigenen Zähne sowie die Langlebigkeit der Versorgung definiert. Wenn es gelingt, hochwertige Restaurationen langfristig stabil zu halten, profitieren sowohl die Patienten als auch die Praxis. Diese Philosophie hat sich über die Jahre insofern sehr bewährt, da zufriedene Patienten die beste Werbung sind.
Sie führen Ihre Praxis in St. Radegund. Viele glauben, hochspezialisierte Zahnmedizin funktioniere nur in urbanen Regionen.
Diese Sichtweise teile ich nicht. Entscheidend ist aus meiner Sicht nicht der Standort, sondern die Qualität und Konsequenz der Arbeit. Mein Rat an alle jungen Kolleg-innen: Seien Sie mutig, investieren Sie und unterschätzen Sie Ihre Patienten nicht. Denn wenn Sie hochklassige Zahnmedizin anbieten, dann kommen die Leute zu Ihnen, egal, wo Sie sind. Selbst wenn Sie auf dem Mount Everest wären und nicht am Fuße des Schöckls.

Kontakt
Praxis
DDr. Dadbeh Dehchamani
Hauptstraße 20
8061 Sankt Radegund bei Graz
T. +43 3132 4553
E.: d.dehchamani@gmail.com




